Bundesaußenminister Maas im UN-Sicherheitsrat (Archivbild) | Bildquelle: AP

Maas im UN-Sicherheitsrat Mehr Einsatz gegen sexuelle Gewalt

Stand: 18.07.2020 02:23 Uhr

Außenminister Maas hat bei der UN ein engagierteres Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt in Konflikten gefordert. Frieden sei ohne Gleichstellung unerreichbar. Für seine Forderungen bekam er prominente Unterstützung.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Bundesaußenminister Heiko Maas hat vor dem UN-Sicherheitsrat mehr Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten gefordert. Nach wie vor würden Vergewaltigung, Zwangsprostitution und sexuelle Versklavung in Konflikten weltweit als Waffen eingesetzt, sagte der SPD-Politiker.

Dafür bekam er prominente Rückendeckung: Schauspielerin Angelina Jolie sprach den Sicherheitsrat direkt an: Jedes Mitglied wisse, "es gibt nichts Schlimmeres, als das Versprechen an ein Kind zu brechen. Und nichts anderes tun wir: Jahr für Jahr. Gegenüber unzähligen Kindern."

Kinder, die in Konflikten in der ganzen Welt sexuell missbraucht werden, die in wenigen Berichten auftauchen und die darauf angewiesen sind, dass die Versprechen der Weltgemeinschaft eingehalten werden, um sie zu schützen.

Jolie erinnert an Gräueltaten des IS

Die UN-Sonderbotschafterin für Flüchtlinge erinnerte an die Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staats an der jesidischen Gemeinde im Irak. Tausende Kinder seien ermordet worden. Oder hätten traumatisiert überlebt. Viele hätten ansehen müssen, wie ihre Mütter vergewaltigt wurden. Viele hätten es selbst erlitten. "Eine Ärztin berichtete, dass nahezu jedes Mädchen zwischen neun und 17 Jahren, das sie behandelt hat, vergewaltigt wurde oder andere sexuelle Gewalt durchgemacht hat."

Mädchen und auch Jungen würden überall auf der Welt zu Opfern, um Gemeinden zu terrorisieren. Jolie zitierte den Gynäkologen und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege in der Demokratischen Republik Kongo, der für seinen Einsatz den Friedensnobelpreis erhielt. "Er hat in seinem Krankenhaus sechs Monate alte Babies gesehen - als Opfer von Vergewaltigung." Jolie drängte das UN-Gremium, über leere Worte hinauszukommen.

Maas: Kein dauerhafter Friede ohne Gleichstellung

Auch Maas kritisierte, 20 Jahre nach der Verabschiedung der ersten Sicherheitsresolution dazu seien kaum Fortschritte erkennbar: "Vergewaltigung, Zwangsprostitution und sexuelle Versklavung werden nach wie vor in Konflikten überall auf der Welt als Waffen eingesetzt."

Es müsse sichergestellt werden, dass Überlebende medizinische und rechtliche Unterstützung bekommen. Frauen müssten an Maßnahmen zur Friedenssicherung unmittelbar beteiligt werden. "Ohne Gleichstellung der Geschlechter und ohne Menschenrechte bleiben dauerhafter Frieden und langfristige Aussöhnung unerreichbar."

Sanktionen müssten eine größere Rolle spielen, forderte der Bundesaußenminister. "Die Straflosigkeit muss aufhören. Die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden." Sexuelle Gewalt in Konflikten sei ein weltweites Virus - nicht weniger verheerend als Covid-19. Es gebe dagegen keinen Impfstoff. Doch die Weltgemeinschaft sei nicht machtlos.

Maas vor UN-Sicherheitsrat: Mehr Schritte gegen sexuelle Gewalt in Konflikten nötig
Antje Passenheim, ARD New York
17.07.2020 22:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2020 um 06:20 Uhr.

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