Bundesaußenminister Heiko Maas im UN-Sicherheitsrat | Bildquelle: dpa

UN-Sicherheitsrat Maas warnt vor Gefahren des Klimawandels

Stand: 26.01.2019 01:31 Uhr

Außenminister Maas hat bei seiner ersten Rede im UN-Sicherheitsrat vor den Gefahren des Klimawandels für den Weltfrieden gewarnt. Er warb dafür, bei allen Konflikten zu prüfen, welche Rolle die Erderwärmung spielt.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Es ist eine Premiere für den deutsche Außenminister Heiko Maas. Erstmals sitzt er mit in erster Reihe am runden Tisch des mächtigsten UN-Gremiums, dem Sicherheitsrat. Zu Jahresbeginn hatte Deutschland einen der nicht-ständigen Sitze übernommen. Der Klimawandel als Bedrohung für die Sicherheit: Das Thema liege Deutschland sehr am Herzen, so der Minister.

Maas zeigt Fotos, die der Astronaut Alexander Gerst vergangenes Jahr aus dem All aufgenommen hat. Es sind Bilder von Europa. "Was zu dieser Jahreszeit sonst ein grüner Kontinent ist, ähnelt damals einer gelb-braunen Steppe", sagt Maas. Schlimm, aber harmlos sei das alles immer noch im Vergleich zu den Folgen des Klimawandels in anderen Weltteilen.

"In der Sahelzone nehmen Konflikte zu, weil Wasser und Land zum Ackerbau immer knapper werden", sagt Maas. "Mit dem Schrumpfen des Tschadsees schwinden die Lebensgrundlagen ganzer Bevölkerungsgruppen - ein perfekter Nährboden für Extremismus und Terrorismus." Und deshalb sei das Thema in dem Rat, der sich mit Sicherheit befasst, genau richtig.

Gegenworte und Widerstand

Maas muss sich aber Gegenworte anhören. Seit 2007 befasst sich der Sicherheitsrat zwar sporadisch mit dem Thema Klimawandel und den Folgen für internationale Sicherheit. Es gibt ständig Widerstand aus den eigenen Reihen - etwa von Russlands Vertreter Wassili Nebensja. "Wir finden es exzessiv und kontraproduktiv, den Klimawandel im Sicherheitsrat zu verhandeln", sagt er in Bezug auf Maas Vorstoß. "Das untergräbt das System der Arbeitsteilung bei den Vereinten Nationen."

US-Präsident Donald Trump blickt bekanntlich ebenfalls skeptisch auf Studien zu den Folgen des Klimawandels - und auch sein UN-Vertreter sitzt als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat mit Vetorecht am Tisch. 

Maas wirbt dennoch dafür, bei allen Konflikten zu prüfen, welche Rolle der Klimawandel spiele. Die Vereinten Nationen sollten genaue Daten liefern und klare Handlungsempfehlungen geben.

Bundesaußenminister Heiko Maas im UN-Sicherheitsrat | Bildquelle: AFP
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Wenn Wasser und Land zum Ackerbau immer knapper würden, sei das ein perfekter Nährboden für Extremismus und Terrorismus, so Maas im Sicherheitsrat.

Freundesgruppe ohne Russland und die USA

Pavel Kabat, Chef-Wissenschaftler der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), listet einige dieser Daten auf. "Das letzte Mal, dass die Erde eine so hohe Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre erlebt hat wie heute, liegt drei bis fünf Millionen Jahre zurück. Es war zwei bis drei Grad wärmer. Und der Meeresspiegel war um zehn bis 20 Meter höher als heute", sagt er.

Kabat verweist auf die jüngste Risikoanalyse des Weltwirtschaftsforums in Davos: Extreme Wetterphänomene, Naturkatastrophen, Klimawandel und Wasserkrisen seien die TOP 4 der existenziellen globalen Bedrohungen.

Deutschland werde weiter auf das Thema dringen, sagt Maas. Man habe dazu eine sogenannte Freundesgruppe bei den Vereinten Nationen zu Klima und Sicherheit gegründet. Darin sitzen unter anderem kleine, vom Untergang bedrohte Inselstaaten. Auch Frankreich und Großbritannien sind dabei. Nicht aber Russland. Und auch nicht die USA.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Januar 2019 um 06:03 Uhr.

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