Außenminister Maas unterhält sich mit Mädchen im jordanischen Flüchtlingslager Al-Asrak. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Maas in Jordanien Partnerschaft mit kleinem Makel

Stand: 06.04.2018 03:28 Uhr

Außenminister Maas hat Jordanien weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. Ganz problemlos ist die Partnerschaft mit dem Königreich aber nicht.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Das Flüchtlingslager Al-Asrak liegt mitten in der Wüste. Hier reiht sich eine weiße Hütte an die andere. 37.000 Menschen leben hier. Ein hoher Zaun umschließt das Camp. Anfang April ist es schon sehr warm hier. Kinder stehen am Straßenrand und schauen zu, wie die Autokolonne an ihnen vorbei rauscht, einige winken. Das nächste Dorf liegt 30 Kilometer entfernt, so viel passiert hier nicht.

In einem Teil des Camps spielen Mädchen Fußball, eine größere Gruppe feuert die Spielerinnen an. Die älteren tragen Kopftuch. Alle haben Spaß. Heiko Maas steigt aus dem gepanzerten Wagen. Viele Kameras sind auf ihn gerichtet.

Außenminister Maas begrüßt ein Mädchen im jordanischen Flüchtlingslager Al-Asrak. | Bildquelle: Thomas Koehler/POOL/EPA-EFE/REX/
galerie

"Wir haben großen Respekt vor der Arbeit", sagte Heiko Maas in dem Flüchtlingslager.

Maas auf Erkundungsreise

Der Außenminister geht auf den Hof, er wirkt zurückhaltend. Ganz so, als wolle er die Kulisse nicht benutzen, um sich zu inszenieren. Dann spricht er doch mit einigen Kindern. Maas sammelt Informationen, er fragt nach. Diese Reise ist die "Fact-Finding-Mission" des Politikers, der gerade frisch im neuen Amt ankommt.

Gespräche mit Helfern, Politikern, Botschaftsmitarbeitern, Flüchtlingen. Die Kernbotschaft für die Öffentlichkeit ist simpel: "Wir haben großen Respekt vor der Arbeit, die hier in Jordanien auch von den jordanischen Behörden geleistet wird, und wir würden diese gerne im Rahmen unserer Partnerschaft weiter unterstützen", sagt Maas.

An der Belastungsgrenze

Jordanien hat die Unterstützung - knapp 600 Millionen Euro im Jahr 2017 - bitter nötig. 1,3 Millionen Flüchtlinge leben in dem Königreich - bei 9,5 Millionen Einwohnern. Nur 20 Prozent der Syrer und Iraker leben in Flüchtlingscamps, viele sind in Städten untergekommen, treiben die Mieten und Kaufpreise für Wohnungen in die Höhe und arbeiten. Und sie werden bleiben, länger als erwartet.

Eine Lösung des Syrien-Konfliktes ist weit weg. Wie lange hält ein Land das aus? Wahrscheinlich hat Maas das angesprochen, als er mit dem jordanischen Außenminister Ayman Safadi sprach.

In der gemeinsamen Pressekonferenz machte Safadi deutlich, dass das Maximum der Belastbarkeit erreicht sei. Die Grenze zu Syrien ist schon lange geschlossen. Jordanien schickt Flüchtlinge zurück, einige gehen auch freiwillig.

Außenminister Maas unterhält sich mit in Jordanien stationierten Bundeswehr-Soldaten. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte
galerie

Der Außenminister besuchte auch die in Jordanien stationierten Bundeswehr-Soldaten.

Heikle Rüstungsexporte

Das Land sei ein wichtiger Partner in der Region, sagte Maas gleich mehrfach: "Jordanien ist der erste arabische Staat, den ich als neuer Außenminister besuche und das ist eine wohlüberlegte Entscheidung."

Die Bundesregierung hat Jordanien auch mit gepanzerten Fahrzeugen unterstützt und Rüstungsexporte genehmigt. Das Thema ist heikel, denn Jordanien ist am Krieg im Jemen beteiligt. Die Regierung halte sich an das Völkerrecht, betonte Safadi. Keine weiteren Details auf Nachfrage.

Obwohl die wichtig wären. Denn CDU, CSU und SPD haben sich darauf verständigt, keine Waffen an Länder zu liefern, die unmittelbar am Krieg im Jemen beteiligt sind - auf Druck der Sozialdemokraten. Aber was bedeutet "unmittelbar"?

Koalition hat noch nicht entschieden

Das ist auch in der Koalition noch nicht ausbuchstabiert. "Das werden wir jetzt in Berlin zügig angehen und entscheiden müssen", sagte Maas in Amman, "und dabei werden wir auch sicherlich das, was wir hier aus den Gesprächen in Jordanien mitnehmen können, in die Entscheidungsfindung einfließen lassen".

Präziser wollte Maas nicht werden. Er wird abwägen müssen, wie das gelingen kann: Jordanien unterstützen und gleichzeitig den Prinzipien, die im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle gespielt haben, treu bleiben.

Abschluss Maas in Jordanien
Christoph Prössl, ARD Berlin
06.04.2018 06:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. April 2018 um 20:00 Uhr.

Darstellung: