Popstar Luis Miguel | Bildquelle: Victor Lerena/EPA-EFE/REX/Shutte

Popstar Luis Miguel Der Sänger und die Vermissten

Stand: 30.07.2018 04:00 Uhr

In seiner Heimat Mexiko ist Luis Miguel ein Superstar. Eine Serie über den Schmusesänger hat nun ein hartes Thema aufgebracht: Das Schicksal der Verschwundenen.

Von Christina Fee Moebus, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Frühstücksfernsehen à la Mexicana: Eine Gruppe von wildgewordenen Moderatoren schlägt auf eine so genannte Piñata ein: Eine lebensgroße Puppe aus Pappmaché. Sie sieht aus wie der Vater des Starsängers Luis Miguel.

Figuren mit einem Holzstiel zu zertrümmern, hat in Mexiko Tradition. Gern werden sich richtige Bösewichte zum Verdreschen vorgenommen. Kein Wunder, dass da jetzt symbolisch der Vater des Popstars herhalten muss. Der gehört aktuell zu den meistgehassten Personen im Land. Zumindest bei den eingefleischten Fans des mexikanischen Musikers.

Popstar Luis Miguel | Bildquelle: DAVID BORRAT/EPA-EFE/REX/Shutter
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Eine Serie über sein Leben hat eine Debatte angestoßen: Popstar Luis Miguel.

Im April ist eine Serie auf dem Streamingdienst Netflix erschienen. Sie spielt das Leben des Schmusesängers Luis Miguel nach und lässt hinter die Kulissen blicken. Schnell wird deutlich: Luis Vater - ein schmieriger Typ mit Schnurrbart und Drogenproblem - regierte mit harter Hand: cholerisch, egoistisch, autoritär. Die Serie ist fiktiv, aber sie basiert auf der wahren Lebensgeschichte von Luis Miguel. Er selbst hat das Drehbuch auch so abgenickt.

Vom Kinderstar zur Popikone

In 13 Folgen erzählt die Musik-Serie den Aufstieg des Superstars nach - und vor allem die Entbehrlichkeiten, die damit einhergehen. "Dos enamorados" ist der erste Hit von Luis Miguel. Da war er gerade einmal 12 Jahre alt.

Sein Vater drängt den Jungen von klein auf ins Showbusiness. Gibt ihm Aufputschmittel, damit er nicht vor Erschöpfung einknickt. Richtig geborgen fühlt sich der kleine Luis nur bei seiner Mutter Marcela.

Liebevoll sorgt sie sich um ihren Sohn, der so plötzlich zum Kinderstar aufgestiegen ist: "Du bist meine Sonne", sagt die Mutter in der Serie. Und so nennen ihn seine Fans im echten Leben auch heute noch: die Sonne Mexikos. 

Eine ganze Nation kann vor dem Fernseher mitverfolgen, wie der schüchterne Kinderstar zu einer der größten Ikonen der Latino-Szene heranwächst. Damals in echt, heute auf Netflix. Mit 18 hat Luis Miguel bereits elf Alben aufgenommen.

Wo ist Miguels Mutter?

Auch Alejandra Gustavo aus Mexiko-Stadt war in den 80er Jahren ein Fan: "Es gab keine Feier, auf der wir nicht zu Luis Miguel getanzt haben, keine Disko, in der kein Lied von ihm gespielt wurde", erinnert er sich. "Jeder aus der 80er-Jahre- Generation hat ein Lieblingslied von Luis Miguel. Beispiel: Wenn Du zum Strand gefahren bist, lief den ganzen Tag nur 'Cuando calienta el Sol'".

Mehr als 100 Millionen Platten hat Luis Miguel verkauft. Auch in den Vereinigten Staaten ist der heute 48-Jährige erfolgreich. Entsprechend groß ist auch das Interesse an der Serie. Zumal sich viele Fans eine Antwort auf die Frage erhoffen: Wo ist Luis Miguels Mutter Marcela geblieben?

1986 verschwindet sie. Spurlos. Da war Luis 16 Jahre alt. Bis heute ist ungeklärt, wo die Frau geblieben ist. Marcela ist bei weitem nicht die Einzige in Mexiko, die einfach verloren geht. Für viele Menschen ist das harte Realität. In der mexikanischen Machokultur werden Frauen verachtet und diskriminiert.

Rege Debatte in den sozialen Netzwerken

Knapp 9000 sind seit 2006 verschwunden. Und etliche werden jedes Jahr ermordet. 2016 waren es laut einem Bericht der Vereinten Nationen 2746. Die Frauenrechtsorganisation "non violence" macht auf das Thema auch im Internet aufmerksam: Unter dem Hashtag #nosoloesmarcela - es ist nicht nur Marcela - hat sie in den sozialen Netzwerken eine rege Debatte angestoßen.

Die Angehörigen der Verschwundenen bleiben oft ratlos zurück. So erzählt es auch der "echte" Luis Miguel in einem Interview: "Das ist ein Thema, das mir noch heute sehr wehtut und das noch immer ungelöst ist. Und ich glaube auch nicht, dass ich diesen Verlust jemals richtig verarbeiten werde können."

Das letzte Mal gesehen haben sollen Luis Miguel und Marcela sich bei einem Auftritt in Buenos Aires. Und wieder kann die ganze Welt zusehen - das Video dazu ist im Netz zu finden. Der Teenager kommt mit seiner Mutter auf die Bühne und singt ihr liebevoll ein Ständchen. Name des Lieds: Marcela. Dass dieser Titel kurze Zeit später zu solch traurigem Ruhm kommen würde, hätte sich wohl auch kein Drehbuchautor besser ausdenken können.

Popstar Luis Miguel und die Geschichte der Verschwundenen
Christina Fee Moebus, ARD Mexiko-Stadt
30.07.2018 09:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. August 2018 um 14:36 Uhr.

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