"India Gate" in Neu-Delhi bei vom Smog orange gefärbten Himmel. | Bildquelle: REUTERS

Luftverschmutzung in Neu-Delhi Fahrverbote nach Feinstaub-Rekord

Stand: 04.11.2019 08:28 Uhr

Die Werte für Feinstaub in Neu Delhi haben Rekordwerte erreicht. Die Schulen bleiben geschlossen und es gilt ein partielles Fahrverbot. Der Ruf nach einer dauerhaften Lösung des Problems wird lauter.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

Die indische Hauptstadt ist in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Seit Tagen sind die Messwerte der Feinstaubbelastung auf Rekordhöhe. Die Luftverschmutzung sei so schlimm wie seit drei Jahren nicht mehr, schrieb die Tageszeitung "Times of India".

Im morgendlichen Berufsverkehr kommen die Pendler heute schneller voran als sonst. Es gilt ein partielles Fahrverbot, zunächst für zwei Wochen. An geraden und ungeraden Tagen dürfen nur Fahrzeuge mit entsprechendem Nummernschild unterwegs sein. Hunderte zusätzliche Polizisten sind im Einsatz, um die Maßnahme durchzusetzen.

Die Schulen bleiben vorerst geschlossen und auf den vielen Baustellen der Stadt wurden die Arbeiten eingestellt.

Kinder mit Masken in Neu Delhi | Bildquelle: REUTERS
galerie

Smog ist in indischen Großstädten Alltag. Gerade sind die Werte in Neu-Delhi so schlecht, dass der Gesundheitsnotstand wegen Luftverschmutzung erklärt wurde.

Die gemessenen Werte der Feinstaubpartikel PM 2,5 erreichten in den vergangenen Tagen 900 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: In Deutschland gilt ein durchschnittlicher Grenzwert von 20, bei Überschreitung von 50 Mikrogramm werden in einigen deutschen Großstädten Fahrverbote verhängt.

Viele Einwohner von Neu-Delhi gehen nur noch mit Atemschutzmasken nach draußen. Ein Einwohner erzählt: "Man erstickt förmlich und bekommt einen ständigen Hustenreiz. Ein bisschen Regen könnte helfen und die Luftwerte verbessern, aber danach sieht es nicht aus." Und ein anderer klagt: "Nicht nur das Atmen fällt schwer. Diese Luftverschmutzung macht einen psychologisch fertig. Wir laufen hier nur noch mit Atemschutzmasken herum."

Brennende Felder Hauptursache für Rauchwolken

Der ganze Norden Indiens ist betroffen. Einer der Hauptgründe für die Rauchentwicklung sind die brennenden Felder in den nordwestlich von Delhi gelegenen Bundesstaaten Punjab und Haryana. Die Bauern bereiten die landwirtschaftlichen Flächen auf diese Weise für die nächste Aussaat vor.

Es müsse dringend etwas geschehen, sagte der Regierungschef des Bundesstaates Rajasthan, Ashok Gehlok der indischen Nachrichtenagentur ANI. Denn die Rauchwolke hat inzwischen auch die südlich von Neu-Delhi gelegene Stadt Jaipur erreicht:

"Neu-Delhi ist zu einer Gaskammer geworden und das ganze Land sollte sich darüber Gedanken machen. Die Lage ist extrem besorgniserregend. Und jetzt haben wir auch in Jaipur schon schlechte Werte. Da helfen keine temporären Maßnahmen, wie die zeitweilige Schließung von Schulen und Fabriken. Wir brauchen eine dauerhafte Lösung."

Streitereien und Schuldzuweisungen

Eine dauerhafte Lösung scheiterte bislang an politischen Streitereien zwischen den Parteien und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten. Wie der Fernsehsender NDTV berichtete, warf der Regierungschef von Punjab, Amarinder Singh, der Zentralregierung vor, Entschädigungszahlungen für die Bauern zu verweigern, wenn die auf das Abbrennen der Felder verzichten.

Umgekehrt hätten führende Politiker der Regierungspartei BJP angekündigt, dass sie sich nicht an die Fahrverbote in Delhi halten wollten. Denn die wurden von der Regionalregierung der Hauptstadt verhängt, die nicht von der BJP geführt wird, sondern von der sogenannten Partei des kleinen Mannes, der Aam Admi Party. Die Parteien in Indien schieben sich gegenseitig die Schuld für die Luftverschmutzung zu und machen sich gegenseitig Vorwürfe, nicht genügend dagegen zu tun.

Luftverschmutzung in Indien - Delhi erlässt Fahrverbote und schließt Schulen

04.11.2019 07:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 04. November 2019 Deutschlandfunk um 09:00 Uhr in den Nachrichten und NDR Info um 12:08 Uhr.

Darstellung: