Priscilla Ludosky und Eric Drouet | Bildquelle: AFP

Priscilla Ludosky Die Frau, die das gelbe Feuer entzündete

Stand: 05.12.2018 04:59 Uhr

Sie ist die Frau, mit der alles begann. Eine Online-Petition von Priscilla Ludosky löste die Gelbe-Westen-Bewegung in Frankreich aus. Mittlerweile ist sie eine ihrer vielen Sprecherinnen.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Angefangen hat alles im Internet: "Ich habe eine kleine Petition gestartet", erzählt Priscilla Ludosky. "Sie heißt 'für ein Absenken der Benzin-Preise an der Tankstelle', als ich mir bewusst wurde, dass ich jedes Jahr mehr für meine Tankfüllung bezahle"

Die Petition startet klein, aber sie startet durch: Mit ihren mittlerweile über eine Million Unterzeichnern ist sie eine der erfolgreichsten in der französischen Geschichte - pikanterweise direkt nach der Petition, die die Abschaffung der Arbeitsmarktreform von Francois Hollande forderte.

Auch Priscilla Ludoskys Petition barg sozialen Sprengstoff: "Ich hatte ein bisschen recherchiert und festgestellt, dass der Benzinpreis zum großen Teil aus Steuern besteht, etwa 60 Prozent", sagt sie. Und dann wollte der Präsident, im Rahmen der Energiewende und einer Umerziehung der Franzosen weg von fossilen, hin zu anderen Energien, auch noch diese Steuer Jahr für Jahr erhöhen.

Ländliche Bereiche besonders betroffen

Priscilla Ludoskys Petition traf einen Nerv: Viele Franzosen haben die Nase voll von Steuern und Abgaben - und die auf dem Land wohnen  noch mehr: "Wenn du auf dem Land wohnst, brauchst du dein Auto, du kommst sonst einfach nirgendwohin. Daher ist die Benzinrechnung obligatorisch, und die begleitenden Maßnahmen der Regierung haben mich nicht überzeugt."

Ihre Petition mündete in die Proteste, die überall im Land viele Gelbe Westen auf den Plan rief. Auch Priscilla Ludosky zog eine Gelbe Weste an, um zu demonstrieren.

Priscilla Ludosky und Eric Drouet | Bildquelle: AFP
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Priscilla Ludosky und ihr Mitstreiter Eric Drouet waren vom Umweltminister de Rugy zu Gesprächen eingeladen worden.

Von Reaktion der Regierung enttäuscht

Die begleitenden Maßnahmen, die die Regierung daraufhin verkündete, um die Gelben Westen zu beruhigen, wie etwa Energieschecks für ärmere Franzosen, haben sie nicht überzeugt: "Man hatte viele Gelegenheiten zu diskutieren", bedauert sie noch vor der Demonstration am 17. November, dem zweiten Protest-Samstag. "Das kommt alles zu spät, man hätte viel früher reagieren müssen"

Klare Worte gegen Provokateure

Brennende Autos in Paris | Bildquelle: AFP
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"Gelbwesten" zündeten Baustellenmaterialien und Möbel vor Straßencafés an, stürzten Autos um und attackierten Beamte mit Wurfgeschossen.

Dass es nun in Paris zu derartigen Ausschreitungen gekommen ist, hatte die junge Frau die südlich von Paris wohnt, und deren Eltern von den Antillen kommen, bestimmt nicht beabsichtigt. Darauf angesprochen, sagte sie dem Sender BFM: "Man muss die Einsatzkräfte arbeiten lassen. Es gibt natürlich immer Risiken bei Demonstrationen. Ich als Sprecherin der Gelben Westen rufe nicht zur Ruhe, aber zu mehr Respekt auf. Wir dürfen uns nicht mitreißen lassen, von Provokateuren, und vor allem dürfen wir keine Gewalt anwenden gegenüber den Mitbürgern, die nicht demonstrieren."

Eigentlich für Ökowende

Letztlich ist die 33-Jährige im Übrigen gar nicht so weit weg von den Ideen des Präsidenten: Auch Priscilla Ludosky möchte nicht in einer verpesteten Umwelt leben, auch sie fordert eine Ökologiewende der Franzosen: "Ich bin dafür, dass wir saubere Energien für die Fortbewegung nutzen, die Regierung muss ausarbeiten, wie das künftig besser geht, wenn sie es nicht schon gemacht hat." Priscilla Ludosky könnte sonst vielleicht wieder eine Petition, sprich, eine Revolution starten.

Priscilla Ludosky: Die Frau, die das gelbe Feuer entzündete
Barbara Kostolnik, ARD Paris
04.12.2018 23:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 04. Dezember 2018 um 23:53 Uhr.

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Barbara Kostolnik, WDR

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