London Bridge Attentat | Bildquelle: AP

Nach Messerangriff in London Heftige Kritik und viele Fragen

Stand: 30.11.2019 20:21 Uhr

Nach der Messerattacke in London mit zwei Toten werden nun viele Fragen laut: Wie kann es sein, dass der Attentäter vorzeitig auf freien Fuß kam? Der britische Premier besuchte den Tatort und übte heftige Kritik.

Stephan Laack, ARD-Studio London

Am Tag nach dem Messerangriff von London werden Fragen nach dem Warum immer lauter. Wie konnte es passieren, dass der Attentäter Usman K., der wegen Terrordelikten 2012 verurteilt worden war, vorzeitig entlassen wurde? Hätten die Behörden nicht bemerken müssen, dass von ihm immer noch eine große Gefahr ausgeht?

Täter der Messerattacke in London war vorläufig freigelassener Terrorist
tagesschau 20:00 Uhr, 30.11.2019, Julie Kurz, ARD London

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"Einige Ungereimtheiten"

Der britische Terrorexperte Will Geddes sagte am Morgen in der BBC, der Fall des 28-jährigen Terroristen weise einige Ungereimtheiten auf: Usman K. wurde auf Bewährung aus der Haft entlassen, sagte Geddes. Und seine Überwachung in der Öffentlichkeit war offensichtlich etwas, das hätte einen in Besorgnis versetzen müssen. Man frage sich, ob sein Rehabilitationsprogramm effektiv war.

Usman K. war ursprünglich zu einer mehrjährigen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden - so lange von ihm eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausging. Er hatte unter anderem einen Anschlag auf die Londoner Börse im Jahr 2010 geplant. Das Urteil wurde später abgemildert - gegen Auflagen wurde er Ende vergangenen Jahres auf Bewährung freigelassen.

Unmittelbar vor dem Angriff hatte der Attentäter noch an einer Resozialisierungsveranstaltung in der Nähe der London Bridge teilgenommen. Schon dort stach er ein erstes Opfer nieder, drohte das Gebäude in die Luft zu sprengen und zog in Richtung Brücke, wo er weitere Menschen angriff. Ein Mann und eine Frau kamen dabei ums Leben, drei weitere wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

IS reklamiert Angriff in London für sich

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hat die tödliche Messerattacke auf der London Bridge für sich reklamiert.

Das Sprachrohr des IS, Amaq, teilte mit, der mutmaßliche Täter habe "zu den Kämpfern des IS" gehört und sei dem Aufruf gefolgt, Bewohner jener Länder anzugreifen, die der Anti-IS-Koalition angehörten.

Der 28-jährige Usman K. hatte zwei Menschen durch Messerstiche getötet und drei weitere verletzt, bevor er von Passanten überwältigt und von Polizisten erschossen wurde.

Johnson kritisiert vorzeitige Entlassung

Für den britischen Premier Boris Johnson ist der Fall klar, Usman K. hätte niemals vorzeitig auf freien Fuß kommen dürfen. "Ich habe schon seit Langem gesagt, dass es ein Fehler ist, gewalttätige und kriminelle Straftäter früher aus der Haft zu entlassen. Es ist wichtig, dass wir damit Schluss machen und dass angemessene Strafen für gefährliche Straftäter auch angewandt werden, insbesondere wenn es sich um Terroristen handelt. Ich denke, das erwartet die Öffentlichkeit."

London Attentat Johnson | Bildquelle: AFP
galerie

Premierminister Boris Johnson besuchte den Tatort und kritisierte die vorzeitige Haftentlassung des Täters.

Corbyn: "Angriff auf Demokratie"

Oppositionsführer Jeremy Corbyn bezeichnete die Attacke als Angriff auf die Demokratie, die britische Gesellschaft dürfe sich nicht unterkriegen lassen. "Wir müssen uns ins Gedächtnis rufen, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft leben und dass die, die uns zum Schweigen bringen wollen, keinen Erfolg damit haben werden. Unsere Demokratie muss lebendig und dynamisch bleiben."

In weniger als zwei Wochen finden in Großbritannien Parlamentswahlen statt, der Wahlkampf wurde zumindest für das Wochenende ausgesetzt. Das Thema innere Sicherheit dürfte in den kommenden Tagen jedoch wieder heftig diskutiert werden. Sowohl die Konservative Partei als auch Labour hatten angekündigt, im Falle eines Wahlsieges die Zahl der Sicherheitskräfte um mindestens 20.000 aufzustocken.

Bürgermeister: "Keine Angst haben"

In der britischen Hauptstadt wurde die Polizeipräsenz nach dem Anschlag erhöht. Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief seine Mitbürger jedoch dazu auf, keine Angst zu haben und wieder in die Stadt zu kommen. "Was wir nicht zulassen dürfen, ist, dass unsere Art zu leben zerstört wird. Das ist genau das, was sie wollen. Und worauf ich wirklich stolz bin, ist, dass sich gestern Abend Leute in London in Restaurants und Bars vergnügt haben. Ich hoffe, heute kommen wieder viele in die Stadt, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen." Man werde mehr Polizisten als sonst sehen. Manche seien bewaffnet, manche nicht. Da bestehe kein Grund, beunruhigt zu sein. "Sie sind da, um uns zu beschützen", sagte Khan.

London am Tag nach dem Messerangriff
Stephan Laack, WDR
30.11.2019 15:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2019 um 16:20 Uhr.

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