ARD-Terrorismusexperte

Anschläge zeigen neues Tatmuster

Stand: 24.03.2017 09:38 Uhr

Die jüngsten Anschläge von London, Berlin und Nizza zeigen nach Ansicht des ARD-Terrorismusexperten Georg Mascolo ein "neues, sehr besorgniserregendes" Tatmuster. Mit einfachen Mitteln könne Aufmerksamkeit und Schrecken verbreitet werden.

Der Terroranschlag von London, bei dem der 52 Jahre alte Brite Khalid Masood mit einem Auto drei Menschen tötete und anschließend einen Polizisten erstach, reiht sich nach Ansicht des ARD-Terrorismusexperten Georg Mascolo in ein neues Tatmuster ein, das bereits bei den Anschlägen auf den Berliner Weihnachtsmarkt und in Frankreich zu beobachten gewesen sei. Die Täter seien Kleinkriminelle mit einer Neigung zur Gewaltbereitschaft gewesen. Manche hätten über das Internet Kontakt zu sogenannten "Instrukteuren des IS" aufgenommen. Das seien Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat", "die sie beraten, anleiten, auch drängen, solche Anschläge mit Autos zu begehen". Ungewöhnlich sei das Alter des Londoner Täters. "In aller Regel haben wir es mit Menschen zu tun, die Mitte 20 sind."

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Georg Mascolo, ARD-Terrorismusexperte, mit Einschätzungen

ARD-Morgenmagazin, 24.03.2017

IS-Bekenntnisse seien "meist zutreffend"

Ob der IS, der den Anschlag in London für sich beansprucht hat, tatsächlich hinter der Tat steckt, ist noch unklar. Solche Bekenntnisse hätten sich jedoch in der Vergangenheit "häufig als zutreffend herausgestellt", erklärte Mascolo im ARD-Morgenmagazin. Die Täter der jüngsten Terroranschläge hätten zwar keinen engen Kontakt zum IS gehabt und seien von der Terrorgruppe auch nicht ausgebildet worden. Der IS habe aber vor der Tat stets einen Treueschwur verlangt. In der Vergangenheit seien meist wenige Tage nach den Anschlägen Bekennervideos veröffentlicht worden. "Nun werden wir sehen müssen, ob das im Fall London auch geschieht."

"Unmöglich, solche Anschläge zu verhindern"

Dass anders als früher bei den Anschlägen in London, Berlin und Nizza kein Sprengstoff eingesetzt wurde, sei "eine gute und eine schlechte Nachricht". Es zeige, dass es offensichtlich doch nicht so einfach sei, an Sprengstoff und Waffen zu kommen. "Auf der anderen Seite machen es solche einfachen Tatmittel wie Messer, Auto oder Lkw beinahe unmöglich, solche Anschläge zu verhindern."

Den Londoner Anschlag wertet Mascolo aus Sicht der Terroristen als Erfolg, da Aufmerksamkeit und Schrecken verbreitet worden seien. "Es ist immerhin das Herz der älteste Demokratie der Welt angegriffen worden."