Liu Xia am Flughafen Berlin Tegel | Bildquelle: dpa

Liu Xia verlässt China In Freiheit, in Deutschland

Stand: 10.07.2018 18:14 Uhr

Acht Jahre lang stand die Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo unter Hausarrest. Nun durfte Liu Xia China verlassen - in Deutschland wurde sie von Unterstützern empfangen.

Die chinesische Dichterin Liu Xia ist frei - und in Deutschland. Nach acht Jahren Hausarrest hatte China zuvor die Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ausreisen lassen. Sie war am Vormittag von Peking ins finnische Helsinki geflogen, von dort reiste sie weiter nach Deutschland. Am Nachmittag landete sie schließlich auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Bei ihrer Ankunft wurde sie von Unterstützern begrüßt. Sie selbst sagte nichts und fuhr direkt nach der Landung in Richtung Innenstadt.

Lange Leidenszeit

Der Ausreise nach Berlin war eine lange Leidenszeit vorausgegangen. Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Mann im Jahr 2010 war Liu Xias Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt, sie stand unter ständiger Bewachung - ohne je eines Verbrechens beschuldigt worden zu sein.

Ihr Mann Liu Xiaobo war im Juli vergangenen Jahres an Leberkrebs gestorben. Er war Mitglied der Demokratiebewegung auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989 und Mitverfasser der Charta 08 für demokratische Reformen. 2008 wurde er inhaftiert und 2009 wegen "Subversion" zu elf Jahren Haft verurteilt. Am Freitag, dem Jahrestag seines Todes, ist in Berlin eine Gedenkkundgebung für Liu Xiaobo geplant. 

Willkommensschilder für Liu Xia am Flughafen Berlin Tegel | Bildquelle: AFP
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Willkommensschilder am Flughafen Berlin-Tegel: Liu Xia ist in Freiheit

Aufnahme in Deutschland angeboten

Nach Angaben des chinesischen Außenministeriums verließ die Dichterin die Volksrepublik "auf eigenen Wunsch" zur medizinischen Behandlung. Freunden zufolge leidet sie unter schweren Depressionen. Die deutsche Botschaft hatte ihr im April Hilfe für eine Aufnahme in der Bundesrepublik angeboten.

Liu Xia nach acht Jahren frei
tagesschau 20:00 Uhr, 10.07.2018, Michael Storfner, ARD Peking

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Einen Tag nach deutsch-chinesischen Konsultationen

Die Freilassung erfolgte nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang zu deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin. Bundeskanzlern Angela Merkel hatte sich wiederholt für die Freilassung und Ausreise von Liu Xia eingesetzt.

Liu Xia am Flughafen von Helsinki | Bildquelle: dpa
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Zwischenstopp in Finnland: Liu Xia am Flughafen von Helsinki

Da ihr Bruder Liu Hui nicht mit ausreisen durfte, ist Liu Xia auch nach ihrer Ausreise aber nicht wirklich frei. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als "Geisel" zurückgehalten. Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: "Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrache an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer", formuliert Hu Jia die Drohung dahinter.

Nie als Bürgerrechtlerin aktiv

Ob die Künstlerin tatsächlich politisch aktiv werden will, ist offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes, sondern auch, weil Liu Xia nie als Bürgerrechtlerin aktiv war. Durch ihre Heirat mit Liu Xiaobo geriet sie ins Fadenkreuz der Staatssicherheit.

Nicht nur Freunde, sondern auch Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen waren in "tiefer Sorge" über ihren psychischen Zustand. "Wir sind beunruhigt von Berichten über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Liu Xia", hatten die UN-Ermittler im Kampf gegen zwangsweises Verschwinden und willkürliche Inhaftierungen sowie der Sonderberichterstatter zur Lage von Menschenrechtsverteidigern erst vergangene Woche in Genf mitgeteilt.

Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus | Bildquelle: AP
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Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Jahr 2017 im Krankenhaus. Das Nobelkomitee verlieh Liu Xiaobo 2010 als erstem Chinesen den Friedensnobelpreis.

Vordenker und Vorkämpfer für Demokratie

Das Nobelkomitee hat Liu Xiaobo 2010 als erstem Chinesen den Friedensnobelpreis für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China" verliehen. Seine Freunde erinnern Liu Xiaobo als großen Vordenker und sanften Vorkämpfer für Demokratie.

China lässt Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ausreisen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
10.07.2018 08:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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