Luftaufnahme einer Lithium-Abbauanlage im Salzsee Uyuni in Bolivien. | Bildquelle: AFP

Bolivien Lithiumprojekt mit deutscher Firma gestoppt

Stand: 04.11.2019 14:46 Uhr

Bolivien besitzt große Lithium-Vorkommen, die auch für Batterien von E-Autos benötigt werden. Die Regierung hat nun überraschend ein gemeinsames Abbauprojekt mit einer deutschen Firma gestoppt - ohne sie vorher zu informieren.

Boliviens Regierung hat ein Joint Venture zur Lithiumgewinnung mit einem deutschen Unternehmen annulliert. Der Gouverneur des Departements Potosi erklärte laut der Nachrichtenagentur ABI, die Regierung von Präsident Evo Morales habe das Projekt per Dekret gestoppt. Eine Begründung für den Schritt der Regierung wurde nicht bekannt gegeben.

Der deutsche Partner, ACI Systems, habe aus der Presse von diesem Schritt erfahren. "Eine offizielle Information von bolivianischer Seite ist bisher nicht erfolgt und für uns ist es auch nicht nachvollziehbar", erklärte Firmenchef Wolfgang Schmutz. Bis vor wenigen Tagen sei noch alles planmäßig gelaufen. "Wir werden daher erst einmal wie geplant am Projekt weiterarbeiten", betonte er.

Das Gemeinschaftsprojekt war erst vor einem Jahr ins Leben gerufen worden. Das bolivianische Staatsunternehmen YLB und die baden-württembergische Firma wollten gemeinsam Lithium aus dem Salzsee Uyuni gewinnen, in dem die weltweit größten Vorkommen vermutet werden. Der Rohstoff wird unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt.

Luftaufnahme von Lithium-Abbaufeldern im Salzsee Uyuni. | Bildquelle: AFP
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Im bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni werden die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet.

Widerstand der lokalen Bevölkerung

Im Departement Potosi, in dem der Salzsee liegt, war es erst im Oktober zu Protesten gegen das Projekt gekommen. Die Bevölkerung befürchtete, nicht ausreichend von dem Projekt zu profitieren. Außerdem verbraucht der Abbau von Lithium viel Wasser. Das hat Folgen für den Grundwasserspiegel in den betroffenen Regionen und insbesondere für indigene Gemeinschaften, die in einer sowieso trockenen Region rund um die Salzseen Landwirtschaft betreiben.

In der neuen Produktionsanlage sollten gleichwohl neue Verfahren zum Einsatz kommen, die wesentlich weniger Wasser brauchen. Im Vergleich zu bestehenden Lithium-Fabriken sollten die Eingriffe in Umwelt und Wasserhaushalt wesentlich kleiner ausfallen.

Dem nun aufgekündigten Abkommen zufolge sollte das Staatsunternehmen YLB 51 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Geplant war von 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, mit Investitionen von 300 bis 400 Millionen Euro. Damit ließen sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien ausstatten.

Mit Informationen von Ivo  Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Evo Morales stoppt deutsch-bolivianisches Lithium-Projekt
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
04.11.2019 13:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der MDR in der Sendung MDR Thüringen Journal am 04. November 2019 um 19:00 Uhr.

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