Soldaten bauen Zelte im Lager Lipa auf. | FEHIM DEMIR/EPA-EFE/Shutterstock

Bosnien-Herzegowina Neue Zelte für Geflüchtete in Lipa

Stand: 01.01.2021 20:37 Uhr

Hunderte Geflüchtete können im abgebrannten Flüchtlingscamp Lipa bleiben. Die bosnische Armee hat damit begonnen, neue Unterkünfte aufzubauen. Die vergangenen Nächte verbrachten die Bewohner in der Winterkälte unter freiem Himmel.

Nach der gescheiterten Verlegung von Hunderten Geflüchteten in feste Unterkünfte im Landesinneren von Bosnien-Herzegowina sollen die Menschen nun doch im Elendslager Lipa bleiben. Militärangehörige begannen mit der Errichtung der Unterkünfte, nachdem das Land für seinen Umgang mit den Menschen international kritisiert worden war. Etwa 150 Soldaten seien eingetroffen, teilte das Militär mit, die Verwaltung der Zeltstätte werde die Internationale Organisation für Migration (IOM) übernehmen.

Vor mehr als einer Woche war das bisherige Flüchtlingslager nahe Lipa an der Grenze zu Kroatien abgebrannt. Die IOM schloss das Lager 25 Kilometer südöstlich der Stadt Bihac vor anderthalb Wochen daraufhin, weil die bosnischen Behörden ihre Zusagen nicht eingehalten hatten, es winterfest zu machen.

Verlegung scheitert an Anwohnern

Die bosnischen Behörden wollten die Menschen andernorts in eine frühere Militäranlage bei Sarajevo verlegen. Dies scheiterte jedoch am Protest von Anwohnern. Die Geflüchteten verbrachten letztlich 24 Stunden wartend in Bussen und wurden danach zum ausgebrannten Camp zurückgebracht. In den vergangenen zwei Nächten zündeten sie kleinere Feuer an, um nahezu ungeschützt in der Winterkälte warm zu bleiben. Hilfsorganisationen versorgen sie in dem unwirtlichen Gelände notdürftig mit Lebensmitteln.

Am Freitag organisierten die Geflüchteten einen Protest, so schilderten es Menschenrechtsgruppen, um auf die Bedingungen in Bosnien-Herzegowina aufmerksam zu machen. Hunderte hätten Lebensmittel verweigert und auf Transparenten internationale Hilfe gefordert.

EU-Appell bleibt ungehört

Die von der EU-Kommission unterstützte Idee, das Lager Bira im Ortsgebiet von Bihac wieder zu öffnen, scheiterte am Widerstand der lokalen Politik. Innenkommissarin Ylva Johansson hatte an die örtlichen Behörden appelliert, den Menschen dort Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Es sei "die praktische und unmittelbare Lösung". Vor Ort gebe es Heizung, Strom, fließendes Wasser und Plätze für 1.500 Menschen.

Die Europäische Union hatte die Lage der Geflüchtete in Bosnien bereits vergangene Woche als "alarmierend" bezeichnet. Die Staatengemeinschaft hat dem Balkanstaat eigenen Angaben zufolge seit 2018 rund 85,5 Millionen Euro an Hilfen zur Bewältigung der Flüchtlingssituation gezahlt. Das Lager in Lipa war im April als provisorische Unterkunft eingerichtet worden. Zeitweise lebten dort rund 1.500 Menschen. Das Camp war die letzte verbliebene Flüchtlingsunterkunft in dieser Region.

In Bosnien-Herzegowina sind Tausende Menschen auf der Flucht aus Nahost, aus Afrika und Asien gestrandet. Die meisten halten sich im Nordwesten des Landes an der Grenze zum EU-Land Kroatien auf. Viele Migranten haben berichtet, kroatische Grenzschützer hätten sie mit Gewalt zurückgedrängt und die Einwohner Bosnien-Herzegowinas seien ihnen gegenüber feindselig eingestellt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2021 um 20:00 Uhr.