Mitglieder des Nationalen Transport-Sicherheitskommitee | Bildquelle: AP

Abschlussbericht Vorwürfe gegen Boeing und Lion Air

Stand: 25.10.2019 12:00 Uhr

Vor rund einem Jahr startete eine Boeing 737 Max der Lion Air von Jakarta nach Sumatra. Sie kam dort nie an. 189 Menschen starben. Der Abschlussbericht der Ermittler macht nun nicht nur Boeing schwere Vorwürfe.

Der Hauptschuldige für den Absturz von Lion Air Flug 610 stand schon länger fest: Das Fluglagen-Kontrollsystem MCAS von Boeing. Es bewirkt ein automatisches Absenken der Flugzeugnase, um ein Abreißen des Luftstroms, den sogannten "Stall", durch eine zu steile Fluglage zu verhindern. Doch die Sensoren lieferten falsche Daten, das System griff ein, obwohl alles in Ordnung war. Minutenlang kämpften die Piloten gegen das Flugzeug - vergebens. Sie wußten nichts von dem System oder wie es sich ausschalten ließ.

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So funktioniert das Computersystem der Boeing 737 MAX

Nach den Abstürzen der zwei Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX ist das Stabilisierungssystem MCAS im Visier. Laut Ermittlern könnte es eine entscheidende Rolle bei den Unglücken gespielt haben.

Grafik 1: MCAS - Über 14 Grad Steigung droht ein Strömungsabriss

Ein Sensor misst während des Starts den Anstellwinkel. Ist er zu steil, droht ein Strömungsabriss. Jetzt greift das MCAS ein.

Der Abschlussbericht der indonesichen Behörden kommt dann auch zu einem klaren Urteil: "Die Bauweise und die Zertifizierung des MCAS haben die Wahrscheinlichkeit eines Kontrollverlustes des Flugzeuges nicht ausreichend berücksichtigt.", heißt es dort.

Eine Boeing 737 mit der Lackierung der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air | Bildquelle: dpa
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Die erst zwei Monate alte Boeing 737 war kurz nach dem Start in die Javasee gestürzt.

Boeing nicht alleine schuld

Als Alleinschuldige steht Boeing dennoch nicht da. So habe es erhebliche Defizite auch auf Seiten des Personals gegeben. Der Pilot habe seinen Co-Piloten unzureichend informiert, als er diesem die Kontrolle über das Flugzeug übergab. Und der Co-Pilot habe die Notfall-Checkliste nicht auf Anhieb gefunden - was eigentlich hätte gründlich eintrainiert sein müssen.

Und schließlich trägt laut dem Bericht auch die Fluggesellschaft Lion Air einen Teil der Verantwortung. So war einer der Sensoren des Flugzeugs kurze Zeit vor dem Absturz von einer Firma in Florida bei der Wartung falsch kalibriert worden. Lion Air verzichtete nach dem Wiedereinbau aber darauf, den Sensor zu testen. Selbst als es danach bei Flügen Probleme gab, reagierte die Airline nicht. Doch damit nicht genug: Offenbar wurde sogar versucht, Spuren zu verwischen. Die Ermittler beklagen, dass 31 Seiten aus den Wartungsprotokollen gefehlt hätten.

Der Abschlussbericht war bereits gestern den Hinterbliebenen der Opfer vorgestellt worden.

Albtraum für Boeing

Boeing sagte, man habe bereits reagiert und das MCAS neu aufgesetzt. Allerdings ist das neue System noch nicht von der amerikanischen Luftfahrtbehörde (FAA) zugelassen worden. Ihr war im Rahmen des 737 Max-Desasters eine zu große Nähe zu Boeing vorgeworfen worden.

Kurz nach Flug 610 von Lion Air war im März ein weiteres Flugzeug der Baureihe 737 Max der Ethiopian Airlines abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Kurz darauf wurden alle Flugzeuge des Typs weltweit aus dem Verkehr gezogen.

Für Boeing entwickelt sich die 737 Max mehr und mehr zum Albtraum. Die 737 ist für die Amerikaner das "Brot- und Butter"-Produkt, ein weltweiter Verkaufsschlager mit dem höchsten Umsatz. In der Folge der Abstürze jedoch wurden Bestellungen storniert, ausgelieferte Flugzeuge dürfen nicht fliegen, wofür Boeing die Kosten übernehmen muss.

Abschlussbericht zum Absturz der Boeing 737 Max
tagesthemen 21:45 Uhr, 25.10.2019, Jan Phillip Burgard, ARD Washington

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Boeing hatte die 737 Max bewusst als überarbeitetes Modell des Vorgängers und nicht als Neuentwicklung auf den Markt gebracht, um in diesem wichtigen Marktsegment nicht weiter Terrain an Airbus zu verlieren. Das Problem: Das neue Flugzeug sollte mit besonders spritsparenden Triebwerken ausgestattet werden. Diese waren jedoch zu groß für die relativ tief liegenden Tragflächen. Um Bodenfreiheit zu gewinnen, wurden die Triebwerke weiter nach vorne gesetzt - was jedoch den Gesamttrimm des Flugzeuges veränderte. Um die Gefahr eines Ströumgsabrisses zu mindern, wurde daraufhin das MCAS-System in das Flugzeug integriert.

Der Abschlussbericht zum Boeing-737-Crash
Holger Senzel, ARD Singapur
25.10.2019 17:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2019 um 12:45 Uhr in den Nachrichten.

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