Claus-Peter Reisch | Bildquelle: dpa

Seenotretter "Lifeline" Kapitän fühlt sich im Stich gelassen

Stand: 16.07.2018 16:29 Uhr

Der Kapitän des Seenotretters "Lifeline" durfte Malta verlassen. Das Gericht gewährte seine zeitweilige Ausreise nach Deutschland. Reisch erhebt schwere Vorwürfe gegen den deutschen Staat. Seehofer forderte er zum Rücktritt auf.

Der deutsche Kapitän des Flüchtlings-Rettungsschiffes "Lifeline", der in Malta vor Gericht steht, durfte nach Deutschland ausreisen. Er landete bereits in München. Das Gericht in der maltesischen Hauptstadt Valletta habe entschieden, die Ausreisesperre gegen Claus-Peter Reisch aufzuheben, sagte Axel Steier, Mitgründer der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline. Zur Fortführung der Gerichtsverhandlungen am 30. Juli muss Reisch demnach wieder in Malta sein.

"Natürlich begrüßen wir diese Entscheidung", sagte Steier. Über die genauen Beweggründe der maltesischen Richter sei ihm nichts bekannt. "Unserer Einschätzung nach würde ein weiteres Festhalten von Herrn Reisch auf Malta gegen europäisches Recht verstoßen", sagte er.

Die "Lifeline" läuft in den Hafen von Valletta ein | Bildquelle: dpa
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Tagelang irrte das Rettungsschiff "Lifeline" über das Mittelmeer, bevor es im Hafen von Malta festmachen durfte.

Angeklagt in Malta

Die "Lifeline" hatte vor rund drei Wochen 234 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta zunächst ein Anlegen verweigerten. Schließlich durfte das Schiff in Malta anlegen, wurde aber von den Behörden beschlagnahmt. Den Flüchtlingshelfern wird vorgeworfen, sich bei der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer behördlichen Anweisungen widersetzt und gegen internationales Recht verstoßen zu haben. Reisch wurde mehrfach verhört und vor Gericht angeklagt.

Der Kapitän warf Deutschland vor, ihn im Stich gelassen zu haben. Mehrere Staaten hätten sich bereit erklärt, Flüchtlinge von seinem Schiff aufzunehmen, sagte Reisch der Deutschen Presse-Agentur. Deutschland hätte in seinen Augen nichts Erkennbares zur Lösung der Situation beigetragen. Er kritisierte, dass private Seenotretter kaum noch im Mittelmeer unterwegs sein könnten. "Man zieht jetzt einfach einen Vorhang vor dieses Schmierentheater, damit niemand mehr sehen kann, was da passiert."

Kapitän: "Seehofer muss zurücktreten"

In einer von der Mission Lifeline verbreiteten Erklärung griff Reisch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) scharf an. Er warf ihm vor, Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen zu wollen. "Er will die Rettungsorganisationen vor Gericht stellen", erklärte der Kapitän. Tatsächlich sei der Minister aber ein Täter. "Er gehört vor Gericht. Er muss zurücktreten." Reisch nannte es beschämend, dass die Europäische Union mehr zum Verhindern von Seenotrettung unternehme als gegen das Sterben im Mittelmeer. Hätte die "Lifeline" die Flüchtlinge einfach ertrinken lassen, würde er jetzt wohl nicht vor Gericht müssen, erklärte der Kapitän. Dies sei eine Gefahr für die Demokratie. 

Trotz des Prozesses in Malta will Reisch weitermachen. "Ich denke, wenn die 'Lifeline' einen Kapitän braucht, dann werde ich sicher zur Verfügung stehen", sagte er.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Juli 2018 um 15:00 Uhr.

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