Die "Lifeline" läuft in den Hafen von Valletta ein | Bildquelle: dpa

"Lifeline"-Kapitän vor Gericht "Das ist widerlich"

Stand: 02.07.2018 13:11 Uhr

Der Kapitän des auf der Insel Malta festliegenden Rettungsschiffes "Lifeline" hat erstmals vor Gericht ausgesagt. Dabei wies er alle Anschuldigungen zurück. Zugleich übte er scharfe Kritik an der EU.

Claus-Peter Reisch, der deutsche Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", hat alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen vor Gericht zurückgewiesen. "Unsere Mission hat 234 Menschen gerettet und ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte Reisch laut einer Mitteilung seiner Organisation "Mission Lifeline".

Die Behörden werfen dem Flüchtlingshelfer vor, sich Anweisungen widersetzt und gegen internationales Recht verstoßen zu haben. Seit Anlaufen des Schiffs in Malta war der 57-Jährige bereits mehrfach von der Polizei vernommen worden.

Gegen eine Kaution von 10.000 Euro darf Reisch auf freiem Fuß bleiben. Er musste allerdings seinen Ausweis im Gericht abgeben und darf das Land nicht verlassen. Außerdem beantragte die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme des Schiffs.

Thomas Datt, MDR Leipzig, zur Gerichtsverhandlung von "Lifeline"-Kapitän
tagesschau24, 02.07.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Kritik an der EU: "Das ist widerlich"

Reisch kritisierte das harte Vorgehen von EU-Staaten gegen zivile Seenotretter scharf. "Die EU nimmt das Sterben aus politischen Gründen in Kauf. Das ist widerlich", sagte der Kapitän. "Was ist das für eine Welt, in der stärker gegen das Retten als gegen das Sterben vorgegangen wird?"

Schwere Vorwürfe erhob er auch gegen die libysche Küstenwache. "Ich stehe hier vor Gericht, aber warum steht hier nicht die libysche Küstenwache?", fragte der "Lifeline"-Kapitän. Die Küstenwache Libyens habe seine Besatzung und ihn "noch vor kurzem mit dem Tod bedroht". Bei "Rettungen" der Küstenwache würden regelmäßig Migranten sterben.

In Malta vor Gericht: Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch | Bildquelle: REUTERS
galerie

In Malta vor Gericht: "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch

Unterstützung für "Lifeline"

Zugleich kündigte Reisch an, mit der Justiz zu kooperieren. "Ich stehe hier bei Gericht gern zu allen Fragen Rede und Antwort und werde dazu beitragen, alle Fragen aufzuklären." Die Bundesregierung bot dem Kapitän konsularische Hilfe an.

Fernsehmoderator Jan Böhmermann hat eine Online-Spendenaktion für den Verein "Mission Lifeline" gestartet. Über die Internetplattform "Leetchi" kamen bis bislang fast 100.000 Euro zusammen. Ziel der Kampagne ist, der Besatzung der "Lifeline" die "bestmögliche Verteidigung, die man für Geld kaufen kann" zu ermöglichen.

Tagelange Irrfahrt

In der vergangenen Woche hatte die "Lifeline" vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet. Danach war das Schiff tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta zunächst ein Anlegen verweigert hatten.

Nach sechs Tagen durfte die "Lifeline" schließlich den Hafen von Valletta auf Malta anlaufen. Zuvor hatten acht EU-Staaten die Aufnahme der sich an Bord der "Lifeline" befindlichen Flüchtlinge zugesagt. Das Schiff befindet sich seitdem in Gewahrsam von Maltas Polizei und darf das Land nicht verlassen.

"Lifeline"-Unterstützer protestieren vor dem Gerichtsgebäude in Valletta | Bildquelle: REUTERS
galerie

"Lifeline"-Unterstützer protestieren vor dem Gerichtsgebäude in Valletta

Malta setzt weiteres Schiff fest

Die Behörden von Malta haben offenbar ein weiteres von deutschen Aktivisten entsandtes Rettungsschiff festgesetzt. Wie eine Sprecherin der Hilfsorganisation "Seawatch" mitteilte, wurde der "Seawatch 3" das Auslaufen untersagt, als es es nach einer Überholung auf Malta den Hafen verlassen wollte. Die Verwaltung erklärte hingegen, der Status der "Sea Watch 3" werde lediglich überprüft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: