Burg von Vaduz in Liechtenstein | picture-alliance / Lonely Planet

Wahl in Liechtenstein Frauen an die Macht

Stand: 07.02.2021 10:22 Uhr

Im Liechtenstein wird ein Parlament gewählt, und laut Umfragen steht das Fürstentum vor einer doppelten Premiere: Erstmals könnten Frauen die Mehrheit in der Regierung stellen - und es könnte eine Regierungschefin geben.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Im 38.000-Einwohner-Land Liechtenstein liegt alles dicht beieinander. Unterhalb des Fürstensitzes Schloss Vaduz befindet sich die Kathedrale St. Florin, gleich daneben das Regierungsgebäude und der moderne Klinkerbau des Landtags. Dort im Plenarsaal finden alle fünfundzwanzig nebenberuflichen Abgeordneten Platz an einem runden Tisch.

Dietrich Karl Mäurer ARD-Studio Zürich

Christian Frommelt, Direktor des Liechtenstein Instituts, sagt, im Fürstentum hätten die Volksvertreter eine wichtige Funktion: "Das Parlament repräsentiert das Volk und steht somit dem Fürstenhaus gegenüber."

75 Kandidaten - so viele gab es noch nie

Zur Landtagswahl nun treten für fünf Parteien 75 Kandidatinnen und Kandidaten an - so viele wie noch nie. Politikwissenschaftler Frommelt weiß: Aus Tradition wählen in Liechtenstein viele Bürger eine der beiden großen Mitte-Parteien, die bisher eine Koalition bilden.

Die Fortschrittliche Bürgerpartei FBP und die Vaterländische Union VU setzten daher eher auf Köpfe als auf Sachthemen. Nachwahlbefragungen hätten gezeigt, so Frommelt, dass Parteiprogramme nur für zehn Prozent der Wählerinnen und Wähler der großen Parteien eine Rolle spielten. Bei kleineren Parteien sei das sicher anders, da spiele Tradition weniger eine Rolle.

Die fürstliche Familie von Liechtenstein am Nationalfeiertag. | picture alliance / Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Erbprinz Alois bekommt nach der Wahl einen Vorschlag für die neue Regierung. Bild: picture alliance / Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Eine Premiere zeichnet sich ab

Vom Ausgang der Wahl hängt die Zusammensetzung der fünfköpfigen Regierung ab, die auf Vorschlag des Parlaments vom Fürsten ernannt wird. In diesem Jahr könnte es in dem Land, in dem Frauen erst seit 1984 wählen dürfen, auf eine doppelte Premiere hinauslaufen, so Frommelt: "Hier zeichnet sich ganz klar ab, dass in der kommenden Regierung eine Mehrheit von Frauen sein wird, und es könnte zum ersten Mal auch eine Regierungschefin in Liechtenstein geben."

Die Rede ist von Sabine Monauni von der Fortschrittlichen Bürgerpartei. Die Juristin ist derzeit Liechtensteins EU-Botschafterin in Brüssel. Die hierbei gesammelten Erfahrungen hält sie für deutlich wichtiger für das angestrebte Amt, als dass sie eine Frau ist:

Es scheint gerade auch mit Blick auf Liechtenstein, das man doch eher noch als konservatives und traditionelles Land sieht, doch etwas sehr Spezielles zu sein, dass sich hier eine Frau an die Spitze der Regierung wagt. Ich bin der Meinung, dass das im 21. Jahrhundert total zeitgemäß ist.

"Spezielle Staatsform"

Ohnehin spricht die zweifache Mutter viel lieber über die Herausforderung, den Wohlstand zu sichern in dem reichen, hochindustrialisierten Ministaat, der längst nicht mehr nur von seinen Banken lebt. Liechtenstein mit geringer Bürokratie und kurzen Verwaltungswegen habe ein großes Innovationspotential, sagt Monauni - und das, obwohl in der konstitutionellen Erbmonarchie der Fürst bei Gesetzen ein Vetorecht hat.

Die Liechtensteiner Staatsform, sagt sie, sei für viele in Europa "sicher sehr speziell": "Wir haben zwei Souveräne, das ist zum einen das Fürstenhaus mit dem Fürsten und aber auch das Volk. Und wir haben sehr gut gelebt mit dieser Staatsform. Das sage ich immer wieder. Sie bringt uns Stabilität."

Das Handeln der Regierung müsse halt besonders breit abgestützt werden - mit Blick auf Volk und Fürst, so Monauni, die die erste Regierungschefin in Liechtensteins Geschichte werden könnte.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 07. Februar 2021 um 09:37 Uhr.