Mitglieder der Armee der libyschen Regierung, die von der UN unterstützt wird. | Bildquelle: dpa

Libyen Krieg mit vielen Akteuren

Stand: 08.01.2020 16:54 Uhr

In Libyen ringen viele Staaten um Einfluss - auch Russland und die Türkei. Darüber haben heute die Präsidenten Putin und Erdogan gesprochen. Doch alle diplomatischen Initiativen haben bisher wenig gebracht.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Mitten in der Hauptstadt Tripolis stehen Bauruinen, die mal Wohnhäuser werden sollten. Inzwischen hausen dort 170 libysche Flüchtlingsfamilien in zugemauerten Betonskeletten mit viereckigen Löchern in den Wänden, in die nie Fensterrahmen eingesetzt wurden.

Abdel-Hatti kommt jeden Tag an den Rohbauten vorbei. Der Anblick würde ihm das Herz brechen, erzählt er. Die Menschen hier müssten dieses Elend ertragen, während seine Kinder zu Hause im Warmen schlafen könnten. Deshalb bringt der Mann den Flüchtlingen gerade Decken und Matratzen.

Staatliche Strukturen nur in Ansätzen

Seit Beginn der Offensive von Khalifa Haftar auf Tripolis im April, sollen mehr als 140.000 Libyer vor den Kämpfen geflohen sein. Zu ihnen gehört Samira Ali. Raketen hätten ihre Häuser zerstört, erzählt sie, die Scheiben seien zersprungen. "Es war schrecklich. Alle aus dem Ort flohen. Einmal schlug eine Rakete in unserer Nähe ein. Mein herzkranker Sohn weinte und verlor das Bewusstsein."

Seit dem Sturz von Diktator Muammar el Gaddafi vor über acht Jahren wird Libyen von Milizen und Stammesverbänden beherrscht. Staatliche Strukturen gibt es nur in Ansätzen.

Im Osten des Landes bildete General Khalifa Haftar aus Teilen der libyschen Armee und aus bewaffneten Milizen einen Kampfverband, den er Libysche Nationalarmee nennt und zu dem auch Salafisten und frühere Gaddafi-Anhänger gehören. Stück für Stück gelang es Haftars Kämpfern, Gebiete im Osten sowie im Süden des Landes zu erobern.

Im April begann er dann die Offensive auf die Hauptstadt Tripolis. Hier sitzt die international anerkannte Einheitsregierung unter Fayez al-Sarraj. Sie ist schwach und auf die Unterstützung von Milizen aus dem Westen Libyens angewiesen, die zum Teil islamistische Ziele verfolgen.

"Es gibt keine Stunde Null"

Mitte Dezember drohte Haftar damit, Tripolis nun endgültig zu erobern. Die Stunde Null sei gekommen. Tags darauf reagierte al-Sarraj. Die Bürger sollten nicht den Lügnern, die sich etwas vormachten, glauben. "Es gibt keine Stunde Null."

Haftars Vormarsch bis in Sichtweite der Hauptstadt konnte nur gelingen, weil Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate ihn militärisch unterstützen. Seit September kämpfen auch russische Söldner an der Seite des Generals, inzwischen mehr als 1000.

Die Regierung von al-Sarraj wird hingegen von Qatar und der Türkei unterstützt. Türkische Drohnen sollen in Libyen bis November mindestens 200 Angriffe geflogen sein.

Libyen soll kein zweites Syrien werden

Der Krieg in Libyen wird immer internationaler. Zuletzt beschloss die Türkei die Entsendung von Truppen, erste Einheiten sollen bereits unterwegs sein.

Gleichzeitig sollen diplomatische Bemühungen verhindern, dass aus Libyen ein zweites Syrien wird, aber sie werden immer aussichtsloser. Seit September gibt es den so genannten "Berliner Prozess", eine Libyen-Initiative der Bundesregierung und der Vereinten Nationen. Für Januar ist eigentlich ein Gipfel in Berlin geplant, aber ein Termin steht noch nicht fest.

Fathi Bashagha, der Innenminister der international anerkannten Regierung Libyens, ist pessimistisch. Mit Haftar Gepräche zu führen, sei schwierig. Er lehne Konferenzen ab und kenne nur Gewalt, betont Bashagha. "Er will die Macht mit Gewalt übernehmen".

 

Krieg mit vielen Akteuren
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
08.01.2020 07:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2020 um 05:45 Uhr.

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