Schuhe liegen staubbedeckt zwischen Trümmern in einem zerstörten Haus in Tripolis. | Bildquelle: REUTERS

Machtkampf in Libyen Tausende fliehen aus Tripolis

Stand: 16.04.2019 18:49 Uhr

Die Gefechte um Tripolis dauern weiter an. Sie fordern immer mehr Opfer und treiben die Einwohner in die Flucht. Die UN wollen sich erneut mit Libyen befassen, eine geschlossene Haltung bleibt aber fraglich.

Seit rund zwei Wochen dauern die Kämpfe um Tripolis an. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben die Gefechte bereits mehr als 18.000 Menschen veranlasst, aus der libyschen Hauptstadt zu fliehen. Auch die Zahl der Todesopfer ist erneut angestiegen.

Bereits mehr als 170 Tote

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht mittlerweile von mindestens 174 Toten, die meisten seien Kämpfer der rivalisierenden Parteien. In dem Konflikt stehen sich die Truppen der von den UN anerkannten Regierung, die ihren Sitz in Tripolis hat, und die Kämpfer der selbsternannten Libyschen Nationalarmee (LNA) unter der Führung des Generals Chalifa Haftar gegenüber.

Unter den Toten befänden sich auch 14 Zivilisten, hieß es von der WHO. Zudem berichtete die Organisation von mehr als 750 Verletzten. Die Zahlen stammen von den Krankenhäusern in Tripolis. Die Rettungskräfte vor Ort arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen.

Die Arbeit der Ärzte werde durch den Beschuss der Stadt erschwert, zudem seien auch Ambulanzfahrzeuge getroffen worden, kritisierte die WHO. Allein für die Versorgung und Behandlung von Verwundeten fehlten derzeit rund 35 Millionen Euro.

Frauen sitzen im Inneren einer Notunterkunft, ihr Heim im libyschen Tripolis mussten sie wegen der Gefechte verlassen. | Bildquelle: REUTERS
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Frauen sitzen im Inneren einer Notunterkunft - ihr Heim im libyschen Tripolis mussten sie wegen der Gefechte verlassen.

Großbritannien will offenbar Waffenruhe fordern

Auch die UN befassen sich erneut mit der Lage in Libyen. Nachdem Haftar Anfang des Monats zum Marsch auf Tripolis aufgerufen hatte, sahen sich die UN gezwungen, eine geplante Konferenz im Land abzusagen, auf der nach einer friedlichen Lösung zwischen den Konfliktparteien gesucht werden sollte.

Bereits vor Beginn der Sitzung des UN-Sicherheitsrats berichteten Medien übereinstimmend über einen neuen Resolutionsentwurf, der von Großbritannien eingebracht werden solle. Dieser sehe eine sofortige Waffenruhe in Libyen vor und fordere, "dass alle Parteien in Libyen die Situation sofort deeskalieren und sich zu einer Waffenruhe verpflichten". Laut der Nachrichtenagentur AFP wirft Großbritannien in der Resolution den Truppen von Haftar vor, mit ihrer Offensive die Stabilität in dem Land und die Chance für eine politische Lösung der Krise zu gefährden.

Ob die neue Resolution im Sicherheitsrat eine Chance hat, bleibt jedoch fraglich. Auch die USA hatten wenige Tage nach Beginn der Offensive auf Tripolis per Resolution eine Waffenruhe gefordert. Diese wurde aber von Russland blockiert.

Neue Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen?

Auch die Chefanklägerin des Internationalen Gerichtshofes (IStGH) in Den Haag, Fatou Bensouda, zeigte sich besorgt. Sie appellierte an beide Seiten, Kriegsverbrechen zu verhindern.

Der IStGH ermittelt bereits gegen einen von Haftars Kommandeuren. Ihm wird vorgeworfen, Menschen exekutiert zu haben, ohne dass ihnen der Prozess gemacht worden war. Der Kommandeur wird per Haftbefehl gesucht. Bensouda stellte in Aussicht, dass der Gerichtshof weitere Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen in Libyen einleiten könne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. April 2019 um 07:15 Uhr.

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