Karte: Libyen mit Tripolis

Vor der Küste Libyens 45 Flüchtlinge sterben bei Schiffsunglück

Stand: 19.08.2020 22:05 Uhr

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks ist es der bislang folgenschwerste Schiffbruch vor der libyschen Küste in diesem Jahr: 45 Menschen sind auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen - darunter fünf Kinder.

Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Libyens sind 45 Menschen gestorben. Das Unglück sei damit "der größte registrierte Schiffbruch vor der Küste Libyens in diesem Jahr", teilten das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Unter den Opfern sollen auch fünf Kinder sein.

Die beiden Organisationen forderten eine sofortige Überprüfung des Vorfalls sowie einen Ausbau der Such- und Rettungskapazitäten vor Ort. Etwa 37 Überlebende - hauptsächlich aus Senegal, Mali, Tschad und Ghana - wurden von einheimischen Fischern gerettet und bei der Ankunft an Land festgenommen, wie die IOM mitteilte. Ihrem Bericht zufolge war der Motor des Schiffes vor der Küste der nordwestlichen Stadt Zuwara explodiert.

Internationale Organisationen fordern schnelle Hilfe

"Wir befürchten viele Tote, wenn die Rettungskapazität nicht erhöht wird", schrieb der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Charlie Yaxley, auf Twitter. Nichtregierungsorganisationen sollten uneingeschränkt arbeiten dürfen.

"Wir fordern die Staaten nachdrücklich auf, rasch auf diese Zwischenfälle zu reagieren und den auf See geretteten Menschen systematisch einen Hafen der Sicherheit zur Verfügung zu stellen", schrieben IOM und UNHCR. In den vergangenen Monaten sei es immer wieder zu inakzeptablen Verzögerungen und ausbleibender Hilfeleistung gekommen. Das gefährde unnötig Menschenleben. IOM-Sprecherin Safa Msehli erinnerte die Staaten daran, dass sie nach dem Völkerrecht verpflichtet seien, Zivilisten zu schützen.

Hunderte Flüchtlinge in diesem Jahr auf See gestorben

Libyen ist zu einem wichtigen Transitland für Migranten geworden, die vor Krieg und Armut nach Europa fliehen. In dem Land kommt es seit dem mit westlicher Hilfe erfolgten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 immer wieder zu Konflikten.

Die meisten Migranten wagen die gefährliche Überfahrt nach Europa in seeuntüchtigen Gummibooten. Tausende wurden abgefangen und nach Libyen zurückgebracht. Bei diesen Rückführungen sind allein in diesem Jahr nach Angaben der beiden Organisationen mindestens 302 Migranten und Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer wird allerdings viel höher geschätzt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. August 2020 um 23:00 Uhr.

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