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Flüchtlinge in Libyen "Hier ist es noch schlimmer"

Stand: 17.11.2018 20:00 Uhr

35.000 Flüchtlinge leben laut UN in libyschen Auffanglagern. Für die Menschen sind die Zustände schwer zu ertragen. Die Hygiene ist katastrophal, es gibt Berichte über Misshandlungen und Folter.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Mit großen Augen schauen die Menschen durch das engmaschige, schwarze Metallgitter. Tiefe Traurigkeit, ja Verzweiflung spricht aus ihren Gesichtern. Viele wirken hager, ihre Kleidung ist abgetragen. Feuchte, löchrige T-Shirts und Hosen hängen im Gitter zum Trocknen.

600 Flüchtlinge leben in der ehemaligen Polizeistation von Tripolis. Sie sind eingesperrt auf engstem Raum. Ohne Bücher, Spiele oder Fernseher. Im Schlafsaal liegen ausgelegene Matratzen, Plastiktüten und Müll herum. Die Menschen existieren Haut an Haut, ohne jede Privatsphäre.

Flüchtlingslager in Libyen
tagesschau 17:15 Uhr, 18.11.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Das Lager ist eine Brutstätte für Infektionen. Permanent husten und röcheln Menschen. "Viele meiner Freunde sind hier schon an Tuberkulose gestorben", erzählt Abdirahman Said Al. Der 16-Jährige ist aus Somalia geflohen. Er wollte über das Mittelmeer nach Europa, um dort zu studieren und zu arbeiten. Doch die libysche Küstenwache hat ihn abgefangen und hierher gebracht.

Der Eritreer Ihan Gebreal
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"Seit einem Monat kümmert sich keiner mehr um uns", sagt der Eritreer Ihan Gebreal

So wie die meisten anderen hier auch. Seit mehr als einem Jahr harrt Abdirahman in der Tristesse des Lagers bereits aus. "Es gibt keine medizinische Versorgung, keiner behandelt uns mit Respekt, keiner hilft uns", sagt er.

Der Eritreer Ihan Gebreal erzählt, dass er seit einem Monat keinen Arzt mehr gesehen habe, obwohl viele krank seien. "Seitdem sich hier zwei Ärzte selbst mit Tuberkulose infiziert haben, wagt sich kein anderer mehr hierher", so der 30-Jährige.

Berichte über Folter und Misshandlungen

Die meisten Flüchtlinge stammen aus Somalia, Eritrea und Äthiopien. Viele erzählen von Folter und Misshandlungen, nachdem sie von der Küstenwache aufgegriffen wurden. Ihan Gebreal zeigt uns sein zerklüftetes Knie. Polizisten hätten gezielt auf ihn geschossen. Die Wunde sei nie richtig behandelt worden und deshalb nie ganz verheilt. Bis heute habe er Schmerzen. Dass Ihan schon seit Monaten in diesem Lager eingesperrt ist und nicht mehr raus darf, macht ihn wütend: "Wir sind keine Kriminellen und keine Gefangenen. Wir sind Flüchtlinge."

Es sind seltene Einblicke in eines der 20 Auffanglager der Regierung, die westlichen Kamerateams lange Zeit verschlossen waren. Nach wochenlangen Gesprächen gewährt der neue libysche Innenminister der ARD schließlich Zutritt.

Fathi Ali Bashagha ist erst seit wenigen Wochen im Amt und verspricht aufzuräumen. Über die Situation in den Lagern zeigt er sich bedrückt und gelobt Besserung: "Ganz sicher bin ich darüber nicht glücklich. Die Behörde für illegale Einwanderung muss reformiert und vollständig umgebaut werden."

Doch der Einfluss der international anerkannten Regierung ist begrenzt. Bewaffnete Milizen haben vielerorts das Sagen - auch in den Flüchtlingslagern. Der Innenminister will sie entwaffnen und entmachten. Das aber dürfte alles andere als einfach werden.

Frau und Kind im Flüchtlingslager
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Auch Frauen und Kinder drängen sich auf engstem Raum

Tsion Tsegaye
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Tsion Tsegaye teilt sich ein Zimmer mit 18 Menschen

"Hier sind so viele Kinder"

Auch im Frauentrakt des Lagers sind Frust und Verzweiflung zu spüren. Es sind weit weniger Flüchtlinge als noch in den Sommermonaten. Denn im Herbst und Winter wagt kaum einer die Flucht über das Mittelmeer. Nun aber fürchten viele hier die Kälte. Es gibt nicht genug Kleidung, auch nicht für die Kinder. Sie können nicht zur Schule gehen und haben kaum Platz, um zu spielen.

Krankheiten wie die Krätze grassieren. Bana Aragay hält das für unerträglich: "Hier sind so viele Kinder", meint die 17-jährige aus Eritrea. "Sie sind krank, aber sie dürfen nicht ins Krankenhaus und bekommen keine Behandlung."

Tsion Tsegaye zeigt uns, wo sie schläft. Die 25-Jährige teilt sich einen Raum mit 18 Frauen und Kindern. Es sind gerade einmal 16 Quadratmeter. "Es ist völlig überfüllt", meint sie. "Mit Babys, Kindern, alten Frauen. Auch bei Nacht. Dann schließen sie die Tür ab. Wenn ich auf Toilette muss, ist die Tür zu."

Die meisten im Lager wollen nur noch weg. Doch den wenigsten gelingt das. Das UN-Flüchtlingshilfswerk bietet besonders Schutzbedürftigen die Ausreise in ein sicheres Drittland an. Doch Warteliste ist lang, die Plätze - etwa nach Niger - sind begrenzt, und die Bürokratie ist gewaltig.

Viele warten über Wochen und Monate und sind notfalls auch bereit, zurück in ihre Heimat zu gehen - selbst wenn ihnen dort Schikanen oder gar Verfolgung drohen. Auch Tekha Zemoy ist alles lieber, als in dem Lager weiter auszuharren: "Ich will zurück in meine Heimat. Auch wenn Eritrea in einem schlimmen Zustand ist, hier ist es noch schlimmer."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. November 2018 um 15:50 Uhr.

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