Der libysche Regierungschef Sarradsch spricht im Mai 2018 auf der Libyen-Konferenz in Paris. | Bildquelle: dpa

Regierungschef Sarradsch Libyen lehnt EU-Flüchtlingszentren ab

Stand: 20.07.2018 03:43 Uhr

Im Ringen um Lösungen in der Flüchtlingspolitik spielt die EU auch mit dem Gedanken von Auffanglagern außerhalb ihrer eigenen Grenzen - etwa in Libyen. Doch dessen Regierungschef Sarradsch lehnt die Idee ab.

Der libysche Regierungschef Fajes al-Sarradsch hat sich in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung klar gegen Aufnahmezentren der EU für Flüchtlinge in seinem Land ausgesprochen. "Das wird es bei uns nicht geben", betonte der Chef der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit in Libyen.

"Keine Deals mit der EU"

"Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte", sagte Sarradsch weiter. Er wundere sich "schon sehr darüber, dass in Europa mittlerweile niemand mehr Migranten aufnehmen will, aber uns bittet, hier weitere Hunderttausende aufzunehmen". Sein Land habe bereits Unterkünfte für Zehntausende Flüchtlinge eingerichtet, doch schon jetzt lebten Hunderttausende illegale Migranten in Libyen.

Auch Geld ist für Sarradsch kein Anreiz: Libyen werde keine Deals mit Geld der EU machen, unterstrich er gegenüber der Zeitung. Stattdessen forderte er die EU auf, in den Ländern Druck auszuüben, aus denen die Flüchtlinge kommen würden. Libyen sei schließlich nur ein Transitland auf dem Weg der Flüchtlinge Richtung Westen.

Zudem rief der Regierungschef EU-Politiker auf, nach Libyen zu kommen, um sich ein besseres Bild von der dortigen Lage zu machen. Konkret appellierte er an Bundeskanzlerin Angela Merkel, seinem Land einen baldigen Besuch abzustatten. Mehr Verständnis für die Zustände in seinem Land sei auch wichtig, um das internationale Netzwerk von Menschenschmugglern besser bekämpfen zu können, führte Sarradsch aus.

Flüchtlinge in Libyen | Bildquelle: AFP
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Bereits jetzt befänden sich Hunderttausende Flüchtlinge in Libyen, betonte Regierungschef Sarradsch.

Sarradsch stellt sich hinter Küstenwache

Er nutzte das Interview auch, um die libysche Küstenwache gegen Vorwürfe der spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" zu verteidigen, denen zufolge die Küstenwache bei einem Einsatz zwei Frauen und ein Kind auf hoher See zurückgelassen haben soll. Diese Anschuldigungen bezeichnete Sarradsch als "ungeheuerlich" und falsch. "Wir retten jeden Tag Hunderte Menschen vor der Küste Libyens", betonte er. Die Küstenwache seines Landes benötige allerdings mehr technische und finanzielle Unterstützung für ihren Einsatz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2018 um 06:00 Uhr.

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