Ein Mann holt mit einem Ast gegen Polizisten aus, während im Hintergrund Wasserwerferstrahlen zu sehen sind. | Bildquelle: AP

Proteste im Libanon Gewalt erreicht neuen Höhepunkt

Stand: 19.01.2020 12:39 Uhr

Auch am Wochenende sind Tausende Menschen im Libanon gegen Korruption und Misswirtschaft auf die Straße gegangen, und erneut gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei. Fast 400 Menschen wurden dabei verletzt.

Bei neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind in der libanesischen Hauptstadt Beirut fast 400 Menschen verletzt worden. Einer am Morgen veröffentlichten Bilanz des libanesischen Roten Kreuzes und der Zivilschutzbehörde zufolge mussten mindestens 377 Menschen medizinisch versorgt werden. Es handelte sich damit um den gewalttätigsten Tag seit Beginn der Proteste vor drei Monaten.

Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei in Beirut
tagesschau24 09:00 Uhr, 19.01.2020

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Verletzt wurden demnach sowohl Demonstranten als auch Polizisten. Die heftigsten Zusammenstöße gab es im Zentrum von Beirut vor dem Parlamentsgebäude, als Demonstranten Mitglieder der Bereitschaftspolizei angriffen, die sich hinter Absperrungen und Stacheldraht postiert hatten. Die Demonstranten, einige von ihnen vermummt, bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen, Blumentöpfen, Verkehrsschildern und Ästen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Angreifer vor.

In Beirut werden Polizisten bei Auseinandersetzungen mit Demonstranten mit Feuerwerkskörpern beschossen. | Bildquelle: AP
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In Beirut wurden bei erneuten Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft fast 400 Menschen verletzt.

Festgenommene kommen wieder frei

Dutzende Militärlastwagen brachten Soldaten ins Zentrum, um die Polizei zu unterstützen. Die Sicherheitskräfte riefen alle friedlichen Demonstranten auf, die Gegend der Auseinandersetzungen zu meiden. 34 Menschen wurden während der Demonstrationen festgenommen. Am Sonntag ordnete die Staatsanwaltschaft an, dass alle von ihnen - außer jenen, gegen die andere Vorwürfe vorliegen - wieder freigelassen werden sollen. Aktivisten riefen für den Tagesverlauf zu erneuten Protesten nahe des Parlaments auf. 

Die geschäftsführende Innenministerin Raja Hassan verurteilte die Angriffe gegen Sicherheitskräfte sowie gegen staatliches und privates Eigentum als "völlig inakzeptabel". Präsident Michel Aoun wies die Minister für Verteidigung und Inneres an, für ein Ende der Unruhen und für Sicherheit zu sorgen. In einem Tweet rief er zugleich dazu auf, friedliche Demonstranten zu schützen.

Demonstranten prangern Korruption an

Seit Mitte Oktober wird der Libanon von Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft erschüttert. Mehr als zwei Monate nach dem Rücktritt von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri gibt es noch immer keine neue Regierung. Hariris designierter Nachfolger, Hassan Diab, hatte eigentlich am Freitag sein neues Kabinett vorstellen sollen, was jedoch durch einen Streit zwischen den einzelnen Fraktionen blockiert wurde. Regierungsbildungen im Libanon dauern wegen des komplexen politischen Systems in der Regel Monate.

Hariri rief die Fraktionen auf, "keine Zeit mehr zu verschwenden", schnell eine neue Regierung zu bilden und "die Tür zu öffnen für politische und wirtschaftliche Lösungen". Nur so könne der Protest beruhigt werden. Die Wut der Bevölkerung nahm in den vergangenen Wochen noch zu, da sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert. Das Land macht die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Ende des Bürgerkrieges 1990 durch. Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei umgerechnet mehr als 78 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Januar 2020 um 09:00 Uhr.

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