Ein Protestierender wirft Steine in Richtung der Sicherheitskräfte. | Bildquelle: dpa

Nach den Explosionen Proteste und Zusammenstöße in Beirut

Stand: 08.08.2020 17:17 Uhr

Nach den verheerenden Explosionen in Beirut sind bislang 158 Menschen gestorben. Von vielen Einwohnern fehlt jede Spur. Unterdessen nimmt die Wut in der Bevölkerung zu. Es kommt zu Protesten und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

Rund 5000 Menschen haben in Beirut um die Opfer der verheerenden Explosion vor einigen Tagen getrauert und gegen die libanesische Regierung protestiert.

Die Menschen versammelten sich zunächst auf einem Platz im Zentrum der libanesischen Hauptstadt zu einer Protestkundgebung mit dem Motto "Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an der Regierung".

Sprechchöre, Banner und Galgen

Auf Bildern des libanesischen Senders MTV war zu sehen, dass einige der Protestierenden versuchten, eine Absperrung in Richtung des Parlaments zu durchbrechen, auch wurden Steine geworfen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Aus den Reihen der Demonstranten waren außerdem Sprechchöre zu hören, unter anderem "Revolution, Revolution" oder "Das Volk will den Sturz des Regimes".

Laut Nachrichtenagentur Reuters waren auch Banner mit dem Inhalt "Verschwindet, ihr seid alle Mörder" zu sehen, während die Agentur AP von symbolischen Schlingen berichtete, mit denen Politiker und Beamte wegen der tödlichen Explosionen erhängt werden sollten.

"Wir wollen eine Zukunft in Würde"

Die Aufräumarbeiten nach den Explosionen im Hafen hatten vor allem junge Freiwillige in die Hand genommen.

Viele Libanesen sehen die Katastrophe als Beleg für das Versagen und die Korruption der politischen Führung. Eine Demonstrantin sagte: "Wir wollen eine Zukunft in Würde, wir wollen, dass das Blut der Explosionsopfer nicht umsonst vergossen wurde."

Zahl der Todesopfer steigt täglich

Nach Regierungsangaben waren am Dienstag 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, das jahrelang ohne geeignete Vorsichtsmaßnahmen im Hafen gelagert worden war. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Die genaue Ursache der Katastrophe ist noch ungeklärt.

Nach derzeitigem Stand starben bei den Explosionen 158 Menschen, rund 6000 Personen wurden verletzt, 21 gelten derzeit als vermisst, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte.

Der Libanon steckt schon seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise. Seit Monaten gibt es immer wieder Massenproteste gegen die Regierung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2020 um 17:00 Uhr.

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