Menschen in Beirut demonstrieren gegen die politische Führung im Libanon | WAEL HAMZEH/EPA-EFE/REX

Nach Hariri-Rücktritt Erneut Proteste im Libanon

Stand: 03.11.2019 20:47 Uhr

Ministerpräsident Hariri ist zurückgetreten, doch den Menschen im Libanon reicht das nicht. Sie fordern bei neuen Demonstrationen einen "Sturz des Regimes". Der Präsident des Landes hatte zuvor zur Einheit aufgerufen.

Im Libanon haben erneut Tausende Menschen gegen die politische Führung des Landes protestiert. Bei den Demonstrationen in der Hauptstadt Beirut und in anderen Städten, forderten sie in Sprechchören den "Sturz des Regimes" und eine "Revolution". Sie werfen der politischen Führung Korruption und Missmanagement vor.

Staatschef Aoun will einen Drei-Punkte-Plan umsetzen

Die neuerlichen Proteste erfolgten nur wenige Stunden, nachdem Staatschef Michel Aoun die Bürger des Landes in einer Fernsehansprache zur Einheit aufgerufen hatte. "Ich appelliere an Euch alle, Euch zu vereinen", sagte Aoun. Er äußerte sich im Innern seines Präsidentenpalastes, auf der Straße zum Palast demonstrierten derweil Tausende seiner Anhänger.

Ein neuer Drei-Punkte-Plan, der das Land aus seiner Krise führen soll, dreht sich Aoun zufolge um den Kampf gegen Korruption, die libanesische Wirtschaft sowie die Zivilgesellschaft. "Aber die drei (Punkte) sind nicht leicht umzusetzen", sagte Aoun in einer Rede. "Korruption verschwindet nicht leicht, weil sie über Dutzende Jahre Wurzeln geschlagen hat. Sie wird nicht ohne große Anstrengungen verschwinden", sagte er laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA.

Expertenregierung angekündigt

Der Libanon befindet sich seit Langem in einer sozialen und wirtschaftlichen Krise. Der Kleinstaat ist massiv überschuldet und kämpft seit Jahren mit Problemen bei der Müllentsorgung sowie ständigen Stromausfällen. Ministerpräsident Saad Hariri hatte eine Reihe von Reformen versprochen, trat nach anhaltendem Druck durch die Demonstranten dann aber zurück. Aoun hat die Bildung einer Expertenregierung angekündigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. November 2019 um 20:00 Uhr.