Li Peng | Bildquelle: AFP

Nachruf auf Chinas Ex-Premier Verhasst als "Schlächter von Peking"

Stand: 23.07.2019 16:45 Uhr

Die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz brachte Li Peng den Beinamen "der Schlächter von Peking" ein. Nun ist Chinas Ex-Regierungschef mit 90 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Der ehemalige chinesische Premierminister Li Peng ist tot. Den Angaben zufolge starb er gestern Abend in der chinesischen Hauptstadt Peking. Er sei krank gewesen, hieß es. Von 1987 bis 1998 war Li Peng Premierminister. Von 1998 bis 2003 war er Vorsitzender des Nationalen Volkskongresses. In seine Amtszeit fiel auch das Massaker rund um den Pekinger Tiananmen-Platz.

Am 19. Mai 1989 verhängte Li das Kriegsrecht, was letztendlich zur Niederschlagung der Studentenproteste führte. Damals drohte er den Demonstranten: "Die wenigen, die sich verstecken, und soziale Unruhen planen und anstiften, werden nicht bekommen, was sie wollen." Sie würden Gerüchte verbreiten und die Menschen verwirren. "Das zwingt uns zu entschlossenen Maßnahmen, um diese sozialen Unruhen zu beenden."

Chinesische Truppen auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989. | Bildquelle: AP
galerie

Chinesische Truppen auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989.

Tiananmen-Massaker in seiner Amtszeit

Sein hartes Vorgehen bezeichnete Li Peng später als notwendig. Seine Rolle bei der Niederschlagung der Proteste brachte ihm auch den Beinamen "der Schlächter von Peking" ein. Die chinesische Volksbefreiungsarmee war in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten und andere Protestierende vorgegangen, die auf dem Tiananmen-Platz für mehr Demokratie demonstrierten.

Hunderte, nach einigen Schätzungen sogar mehr als 2000  Menschen wurden damals getötet. Bis heute werden die Vorfälle in der Volksrepublik China meist totgeschwiegen. Auch 30 Jahre danach gibt es keine Aufarbeitung.

Würdigung der Parteiführung

Li Peng trieb in seiner Amtszeit auch den Bau des Drei-Schluchten-Damms am Fluss Jangtse voran. Das riesige Infrastrukturprojekt ist wegen seiner negativen Auswirkungen für die Natur und der Umsiedlung von mehr als einer Millionen Menschen bis heute umstritten.

In einer Würdigung der Staats- und Parteiführung in Peking wurde Li Peng als "lange bewährter kommunistischer Kämpfer" beschrieben, der ein "glorreiches Leben" gehabt habe. Er habe "dem Volk von ganzem Herzen gedient".

Chinas Ex-Premier Li Peng ist tot
Benjamin Eyssel, ARD Peking
23.07.2019 14:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2019 um 14:00 Uhr.

Darstellung: