John Lewis | Bildquelle: REUTERS

Lewis boykottiert Amtsantritt Trump im Clinch mit Bürgerrechtler

Stand: 15.01.2017 04:44 Uhr

John Lewis ist eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, eine wichtige Figur im US-Kongress und auch bei den Republikanern anerkannt - nun kündigte er an, die Amtseinführung von Donald Trump zu boykottieren. Trump reagierte prompt - per Twitter.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

John Lewis ist nicht irgendein Kongressabgeordneter. 1963 sprach er an der Seite von Martin Luther King beim legendären Marsch auf Washington. In Selma, Alabama wurde er 1965 beim Kampf um Bürgerrechte verprügelt und verhaftet.

"Die Wahl ist nicht rechtmäßig"

Der 76-jährige bezeichnete die Wahl Trumps in einem NBC-Interview, das am Abend in voller Länge ausgestrahlt wird, als nicht rechtmäßig. Zur Begründung sagte Lewis, die Russen hätten dazu beigetragen, dass dieser Mann gewählt wurde. Damit hätten sie die Kandidatur Hillary Clintons zerstört.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Congressman John Lewis should spend more time on fixing and helping his district, which is in horrible shape and falling apart (not to......

Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten will John Lewis der Amtseinführung eines neuen Präsidenten fernbleiben. Donald Trump antwortete prompt per Twitter. Der Abgeordnete Lewis solle mehr Zeit darauf verwenden, seinem Wahlbezirk zu helfen und die Dinge dort in Ordnung zu bringen. Dieser befinde sich in einem furchtbaren Zustand und falle auseinander. Ganz zu schweigen davon, dass er von Verbrechen heimgesucht werde. Das wäre besser, als sich falsch über die Wahlergebnisse zu beschweren. Das sei doch nichts als Geschwätz. Keine Resultate. Traurig.

Mehrere Demokraten nicht bei Amtseinführung

Donald J. Trump @realDonaldTrump
mention crime infested) rather than falsely complaining about the election results. All talk, talk, talk - no action or results. Sad!

Auch wenn zahlreiche Demokraten wie der ehemalige Obama-Berater David Axelrod sich nicht der Meinung Lewis´anschlossen, Trump werde zu Unrecht Präsident, äußerten sich zahlreiche Kommentatoren in US-Sendern und in den sozialen Medien negativ über Trumps Twitterkommentar ausgerechnet am Martin Luther King Day, dem amerikanischen Feiertag für den 1968 ermordeten Bürgerrechtler und Weggefährten Lewis'. "Er fuhr zuerst den Ellenbogen aus, also bekam er es mit gleicher Münze zurück", nahm dagegen Republikaner Jeffrey Lord den künftigen Präsidenten auf CNN in Schutz.

Mindestens 16 Kongressabgeordnete der Demokraten kündigten mittlerweile an, bei der Amtseinführung kommenden Freitag nicht dabei zu sein. Barbara Lee aus Kalifornien ist eine von ihnen. Es gebe viele Gründe, warum sie an diesem Tag nicht feiern könne. Die Tatsache, dass Trump den Kongressabgeordneten Lewis angreife, werfe für sie erneut die Frage nach dem Urteilsvermögen des gewählten Präsidenten auf.

Lewis-Bezirk: Hier ist nicht die Hölle

Ganz anders äußerte sich der konservative Journalist Ben Ferguson. Für ihn ist Lewis nicht unangreifbar. Offensichtlich respektierten die Demokraten und John Lewis ganz und gar nicht den Willen des Volkes, "weil sie nicht ihren Willen bekommen haben". Freiheit sei doch nicht, jemanden nicht zu respektieren, wenn er eine freie und faire Wahl gewonnen hat.

Inzwischen erregten sich Bürger aus dem Wahlbezirk des Abgeordneten Lewis über die Charakterisierung Trumps, die Gegend sei schrecklich und in Auflösung begriffen. Innerhalb dieses Wahlbezirks befänden sich wohlhabende Viertel und der verkehrsreichste Flughafen in Atlanta. Das entspreche kaum der "Hölle", die sich Trump vorstelle, schrieb ein Twitternutzer.

Während Broadway-Star Jennifer Holliday weniger als eine Woche vor Trumps Inauguration ihren Auftritt absagte, sank die Zustimmung für den kommenden Präsidenten auf einen historisch schlechten Wert. Nach einer Umfrage des Gallup-Instituts ist die Hälfte der Amerikaner mit den Anstrengungen Trumps bei der Regierungsbildung nicht zufrieden.

Trump teilt aus: Bürgerrechtler und langjähriger Kongressabgeordneter kommt nicht zur Amtseinführung
A. Horchler, ARD Washington
15.01.2017 07:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2017 um 05:27 Uhr.

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