Brände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.  | Bildquelle: AP

Auf Lesbos Toter bei Brand in Flüchtlingslager

Stand: 30.09.2019 00:45 Uhr

Bei einem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern des Lagers und der Polizei.

Bei einem Feuer in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ist laut Polizei mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Das örtliche Büro des UN-Flüchtlingshilfswerks spricht dagegen von zwei Toten. Auf Twitter teilte das UNHCR mit, dass eine Frau und ein Kind in dem Feuer umgekommen seien.

Zudem kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und der Polizei. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Lage unter Kontrolle zu behalten. Aus Athen wurden mit Armeehubschraubern zusätzliche Sicherheitskräfte eingeflogen. Wie genau es zu den Vorfällen kam, ist noch unklar.

Gewaltsame Proteste

Einem Polizeisprecher zufolge hatten Flüchtlinge Feuer in einem Olivenhain außerhalb des Lagers gelegt und wenige Minuten später auch im Inneren. Beide Brände seien schließlich gelöscht worden. Die Flüchtlinge hätten eine Verlegung auf das griechische Festland gefordert.

Laut der Nachrichtenagentur AFP gaben Bewohner des Lagers an, dass die Feuerwehr viel zu lange gebraucht habe, bis sie im Lager angekommen sei. Die Wut darüber habe zu den Ausschreitungen geführt.

Brände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. | Bildquelle: AFP
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Die Brände zerstörten Teile des Flüchtlingslagers.

Seit Jahren in der Kritik

Das Lager Moria auf Lesbos steht seit Jahren in der Kritik, da es chronisch überfüllt ist. Nach der Ankunft von 3000 neuen Flüchtlingen im August hatte sich die ohnehin schwierige hygienische Situation in dem inmitten von Olivenhainen gelegenen Lager weiter verschlechtert. Derzeit leben mehr als 12.000 Menschen in dem Lager, das eigentlich nur für 3000 ausgelegt ist.

Auch die Registrierungszentren für Flüchtlinge auf den Inseln Kos, Chios, Samos und Leros, sind stark überfüllt. Da dort wesentlich weniger Wachpersonal und Polizei als auf Lesbos eingesetzt ist, ist dort die Sorge vor gewaltsamen Protesten der Flüchtlinge groß. Auf Lesbos wurden heute Abend nach den Unruhen vor allem Familien mit Kindern aus dem überfüllten Lager gebracht. Einige Wohncontainer sind durch das Feuer zerstört oder stark beschädigt worden.

Durch den starken Einsatz von Tränengas sind einige Bereiche des Camps vorerst unbewohnbar. Die Bürgermeister aller fünf griechischen Inseln mit Registrierungszentren für Flüchtlinge fordern seit Wochen die griechische Regierung und die Europäische Union zu stärkerer Unterstützung auf.

Seit den Sommermonaten ist die Zahl der neu auf den griechischen Inseln ankommenden Migranten deutlich gestiegen - im Schnitt erreichen pro Tag mehrere hundert Flüchtlinge mit Booten aus der Türkei die griechischen Inseln. Insgesamt leben auf Lesbos, Samos, Kos, Chios und Leros inzwischen mehr als 30.000 Migranten - die allermeisten sind aus der Türkei mit Booten über die Ägäis geflüchtet.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen.

Mutter und Kind sterben bei Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
Michael Lehmann, ARD Istanbul
30.09.2019 00:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2019 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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