Marion Maréchal-Le Pen, Nichte der Parteichefin Marine Le Pen und Gründerin der rechten Hochschule ISSEP | Bildquelle: AP

Le-Pen-Hochschule in Frankreich Diskret und stramm rechts

Stand: 04.07.2018 13:03 Uhr

In Lyon soll eine neue Hochschule aus dem Umfeld der Rechtspopulisten patriotischen Nachwuchs ausbilden. Gründerin ist Marion Maréchal-Le Pen, die Nichte der Parteichefin.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Einfach ist es nicht, die ISSEP-Hochschule im schicken, boomenden Confluences-Viertel von Lyon zu finden. Hier soll genetzwerkt werden, eine neue Generation von patriotischen Französinnen und Franzosen heranwachsen.

"Unser Kampf kann nicht nur darum gehen, Wahlen zu gewinnen", hatte die ehemalige Abgeordnete des Front National und aktuelle ISSEP-Generaldirektorin Marion Maréchal-Le Pen im Februar vor amerikanischen Ultra-Konservativen gesagt: "Wir müssen unsere Ideale auch in die Medien, die Kultur und die Erziehung tragen, um Sozialisten und Liberale zu stoppen. Ich habe unlängst eine Management-Schule gegründet. Mit welchem Ziel? Die Führer von Morgen auszubilden, die den Mut haben, die Interessen ihres Volkes zu verteidigen."

ISSEP: Neue Hochschule der Rechten in Lyon | Bildquelle: AFP
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ISSEP: Neue Hochschule der Rechten in Lyon

Bei der Ausbildung der "leaders of tomorrow" ist ein bestimmter Teil der Presse nicht erwünscht. Bei der Eröffnungsveranstaltung bekam das ARD-Studio Paris keinen Zutritt, auch der linken Zeitung "Libération" wurde der Einlass verweigert.

"Die Schule gehört keiner Partei"

"Diese Schule dient nicht dazu, politische Ambitionen zu unterstützen", erklärte Maréchal-Le Pen bei der Eröffnung einigen französischen Medien. "Ich verbiete mir nicht, am politischen Diskurs teilzunehmen, aber ich verbiete mir jegliche Einmischung in Aktualität, in politische Parteien; die Schule ist keine Partei, sie gehört keiner Partei, hier sollen sich Ideen treffen."

Ob ihre Schule und die Partei Rassemblement National (ehemals Front National) aber wirklich nichts miteinander zu tun haben? Das Führungspersonal entstammt jedenfalls mehrheitlich stramm rechtskonservativen bis rechtsextremen Kreisen. Etwa vom Mouvement pour la France oder Strukturen, die dem Front National nahestehen.

Marion Maréchal-Le Pen, Nichte der Parteichefin Marine Le Pen und Gründerin der rechten Hochschule ISSEP | Bildquelle: AP
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ISSEP-Gründerin Marion Maréchal-Le Pen

Führung in zwei Minuten

Die Räume der Schule sind spartanisch eingerichtet und nicht besonders groß - jedenfalls das, was zu sehen ist. Ein Klassenzimmer für 30 Studierende, ein Mini-Filmvorführraum, eine Küche. Das Regal an der Wand ist fast leer. Nur wenige Bücher, darunter eine Biographie von Charles Maurras, dem rechtsextremen Publizisten und Nazi-Kollaborateur stehen darin. Die Führung dauert zwei Minuten

Kaum einer der potenziellen Studierenden, die sich am Tag der offenen Tür die Schule ansehen, will später darüber reden. "Wir sind nur neugierig", erklärt eine junge Frau und läuft weiter. Schließlich gibt doch einer der Interessenten Auskunft: "Das interessiert mich, weil ich schon an einer Uni bin und da alles so theoretisch ist. Hier finde ich, dass alles praktischer orientiert ist, was Unternehmensführung betrifft, Mediation, etc. Ich denke, diese Ausbildung wird mich komplettieren, perfektionieren als Mensch."

5500 Euro Schulgeld pro Jahr

Antoine ist frühmorgens im Bus mit seiner Mutter aus Genf gekommen, anstrengend, aber billig. Was man von der ISSEP nicht behaupten kann: 5500 Euro kostet die Schule pro Jahr, zwei Jahre dauert die Ausbildung - ein teures Vergnügen für ein Diplom, das nirgendwo anerkannt wird. Stört es ihn nicht, dass rechtsextremene Kreise hinter der Schule stecken, dass niemand so genau weiß, wer das Projekt finanziert? "Das ist mir völlig schnurz, ehrlich, das ist mir sowas von egal."

Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Geschichte, Literatur, Pressearbeit, Wahlkampf-Arbeit, Krisenmanagement, Geopolitik - und auch das savoir-vivre à la francaise. Die künftigen Leader sollen ihrem Land dienen, überzeugen können, ihre Ideen verbreiten. Und eine Basis bilden, für eine neue Richtung unter Führung von Maréchal-Le Pen.

Diskret und stramm rechts - das neue Institut von Marion Maréchal(-Le Pen)
Barbara Kostolnik, ARD Paris
04.07.2018 11:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juli 2018 um 09:18 Uhr in der Sendung "Europa heute".

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