Der Lkw, in dem 39 Leichen gefunden wurden, wird vom Tatort gefahren. | Bildquelle: VICKIE FLORES/EPA-EFE/REX

Nach Leichenfund in Lkw Drei Verdächtige wieder frei

Stand: 27.10.2019 14:38 Uhr

Die britische Polizei hat drei Personen aus dem Gewahrsam entlassen, die im Zusammenhang mit dem Tod von 39 Menschen in einem Lkw festgesetzt worden waren. Viele Opfer sollen Vietnamesen sein.

Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit den 39 Toten in einem Lastwagen drei Verdächtige auf Kaution freigelassen. Ein Mann und eine Frau aus der nordenglischen Stadt Warrington, beide 38 Jahre alt, und ein 45-jähriger Mann aus Nordirland seien freigekommen, teilte die Polizei mit. Sie seien wegen des Verdachts des Totschlags und Menschenschmuggels befragt worden.

Gegen den 25-jährigen Fahrer aus Nordirland wurde Anklage erhoben. Er muss am Montag erstmals vor Gericht erscheinen.

Am Samstag war ein Mann in Irland festgenommen worden, der in Verbindung mit dem Verbrechen stehen könnte. Der Mann sei wegen einer anderen Straftat gesucht worden, die Polizei in Essex habe jedoch Interesse bekundet, ihn zu befragen, teilte die irische Polizei in Dublin mit.

Martin Pasmore | Bildquelle: REUTERS
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Martin Pasmore traf sich mit dem vietnamesischen Botschafter, um die Zusammenarbeit zu vertiefen.

Identifizierung der Leichen schwierig

Die Polizei hatte zuvor angekündigt, sich bei der Aufklärung des Falls auf das Herkunftsland Vietnam konzentrieren zu wollen. Das sagte Martin Passmore von der Polizei Essex, zuständig für die Identifizierung der Opfer. Andere Herkunftsländer kämen jedoch weiter auch in Frage. Die Polizei hatte zunächst erklärt, es handele sich bei den Toten um Chinesen.

Bei der Identifizierung der Leichen ist laut Polizei eines der Probleme, dass möglicherweise Verwandte der Opfer selbst illegal in Großbritannien leben und Angst haben, sich bei der Polizei zu melden. Passmore sicherte deshalb zu, seine Behörde werde niemanden verfolgen, der sich in dem Fall an die Polizei wende. In den vergangenen Tagen hatten sich Angehörige mit teils schockierenden Schilderungen an britische Medien gewandt.

Vietnams Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc kündigte an, untersuchen lassen zu wollen, wie viele Landsleute in jüngster Zeit möglicherweise Opfer von Menschenschmuggel nach Europa wurden. Die Ermittlungen sollten insbesondere in zwei Provinzen Zentralvietnams durchgeführt werden, sagte er laut einem Bericht des englischsprachigen Nachrichtenportals VNExpress.

Laut dem britischen Rundfunksender BBC hat VietHome, eine Organisation von in Großbritannien lebenden Vietnamesen, Fotos von bis zu 20 Vermissten an die Polizei weitergegeben. Zudem gehen Ermittler Berichten nach, denen zufolge der Lastwagen Teil eines Konvois aus insgesamt drei Fahrzeugen war, die etwa 100 Menschen transportiert haben sollen.

Todesursache nicht bestätigt

Der Lkw mit 39 Leichen war auf einem Industriegelände im Südosten von England gefunden worden. Die Zugmaschine war aus Irland gekommen, der Auflieger kam über den belgischen Hafen Zeebrugge nach England - per Schiff wurde er von Belgien in den Hafen Purfleet gebracht.

Auch Tage nach dem grausigen Fund ist weiter unklar, wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten. Möglicherweise sind die Menschen erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet ist. Offiziell bestätigt wurde die Todesursache nicht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Oktober 2019 um 15:24 Uhr.

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