Mehrere Wagen eines Bestattungsunternehmens stehen in Tilbury bereit, wo die gefundenen Leichen aufbewahrt werden. | Bildquelle: REUTERS

39 Tote in Lastwagen Obduktionen und weitere Festnahmen

Stand: 25.10.2019 14:30 Uhr

Bei den Ermittlungen zum Fund von 39 Leichen in einem Lkw in Großbritannien sind zwei weitere Personen festgenommen worden. Obduktionen sollen die Todesumstände der Opfer klären. Irritationen gibt es über ihre Herkunft.

Die britische Polizei hat im Fall der in einem Lkw-Container gefundenen 39 Leichen zwei weitere Festnahmen gemeldet. Dabei handelt es sich laut Polizei um einen 38 Jahre alten Mann und eine Frau gleichen Alters. Ihnen würden Menschenhandel sowie Totschlag in 39 Fällen vorgeworfen.

Die Leichen der Opfer werden in einem Krankenhaus in Chelmsford obduziert. Die ersten elf Toten wurden bereits am Donnerstagabend in die Klinik gebracht - begleitet von einer Polizeieskorte. Das teilte die britische Polizei über Twitter mit.

Experten rechnen mit sehr langen Untersuchungen nach dem grausigen Fund. Möglicherweise sind die Menschen im Laderaum erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet ist. Offiziell bestätigt ist die Todesursache noch nicht.

Irritation über Nationalität

Teil der Ermittlungen wird wohl auch noch einmal die genaue Klärung der Nationalität der Toten sein - denn dieser Punkt führt aktuell zu Irritationen. Gestern hatten sowohl die Polizei als auch das chinesische Außenministerium mitgeteilt, dass die 31 Männer und acht Frauen alle aus China stammen.

Doch heute Morgen meldete sich auch die chinesische Botschaft aus London zu Wort: Die Nationalität sei noch nicht eindeutig geklärt, heißt es auf ihrer Webseite. Ein Team aus der Botschaft werde nach Essex reisen und dort die Polizei treffen.

Lkw-Fahrer wird weiter verhört

Die Leichen waren in der Nacht zum Mittwoch im Laderaum des Lastwagens im Ort Grays östlich von London entdeckt worden. Die Umstände deuten stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt.

Polizei und der LKW, in dem die Toten entdeckt wurden | Bildquelle: AFP
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Begehung des Tatorts und Spurensicherung: Die 39 Leichen waren im Laderaum eines Lastwagens gefunden worden, der im Ort Grays stand.

Der Fahrer des Lkws wurde festgenommen und wegen Mordverdachts verhört. Es handelt sich um einen 25-jährigen aus Nordirland. Seine Verhörung wurde verlängert und dauert noch an. Eine Anklage gab es zunächst nicht.

Container war wohl auch in Zeebrügge

Auch die Route, die der Container gefahren ist, wird von der Polizei rekonstruiert. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Container durch die Hafenstadt Zeebrügge gekommen ist, der größte europäische Warenumschlagplatz nach Großbritannien. Der Container sei am 22. Oktober um 14.49 Uhr in Zeebrügge angekommen und habe den Hafen am gleichen Nachmittag wieder verlassen, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Der Container sei dann weiter über die Nordsee nach Purfleet unweit von Grays gelangt.

Wo die Opfer in den Container stiegen, ist noch unklar. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Menschen in Belgien in den Anhänger gestiegen seien, sagte der Chef des Hafens in Zeebrugge, Joachim Coens, dem belgischen Fernsehsender VRT. "Ein Kühlcontainer kommt hier vollständig versiegelt an. Bei der Inspektion wird die Dichtung überprüft und auch das Nummernschild und der Fahrer wird mit Kameras überprüft", sagte Coens. Anschließend werde die Fracht auf ein Schiff verladen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2019 um 15:45 Uhr in den Nachrichten.

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