Menschen warten in Sanaa an einer Bäckerei, die im Ramadan Brot an Bedürftige ausgibt | Bildquelle: YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX

Krieg im Jemen Warum die UN Hilfe für Sanaa stoppen

Stand: 21.06.2019 14:44 Uhr

In kaum einem Land dürfte die Not so groß sein wie im Jemen. Trotzdem wollen die UN für 850.000 Menschen in der Hauptstadt Sanaa keine Lebensmittel mehr verteilen. Den Grund liefern die Huthi-Rebellen.

 Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

In Sanaa, der Hauptstadt des Jemen, wird das Welternährungsprogramm nun keine Lebensmittel mehr verteilen. Davon betroffen sind etwa 850.000 Menschen. Sanaa wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert, die gegen die international anerkannte Regierung des Landes kämpfen. Lediglich Hilfsprogramme für unterernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter wird das Welternährungsprogramm in Sanaa fortsetzen.

"Hilfslieferungen werden umgeleitet, um darauf Profit zu schlagen"

Anfang der Woche hatte David Beasley, der Direktor der UN-Organisation, den Stopp der Lieferungen angedroht. Man könne nicht mehr garantieren, dass die Hilfe bei denjenigen ankomme, die sie am nötigsten hätten, sagte er vor dem Weltsicherheitsrat in New York.

"Warum nicht? Weil es uns nicht erlaubt wird, unabhängig zu arbeiten. Und weil Hilfslieferungen umgeleitet werden, um daraus einen Profit zu schlagen und aus anderen Gründen. Das bedeutet also: Aus den Mündern von hungrigen kleinen Mädchen und kleinen Jungs wird das Essen genommen, das sie brauchen, um zu überleben."

Menschen warten in Sanaa an einer Bäckerei, die im Ramadan Brot an Bedürftige ausgibt | Bildquelle: YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX
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Menschen warten in Sanaa an einer Bäckerei, die im Ramadan Brot an Bedürftige ausgibt. (Foto vom 18. Mai) Die UN haben nun beschlossen, ihre Lebensmittelhilfe teilweise einzustellen.

"20 Millionen Jemeniten leiden"

Bereits Ende vergangenen Jahres warf die Organisation den Huthi-Rebellen vor, Lebensmittellieferungen systematisch zu stehlen und abzuzweigen. Einige Anführer der Aufständischen verweigerten Helfern den Zugang zu Hungernden, blockierten Hilfskonvois oder behinderten eine unabhängige Auswahl von Empfängern der Hilfe. Örtliche Behörden mischten sich in die Verteilung der Güter ein, so das Welternährungsprogramm.

"Die humanitäre Lage im Jemen ist schrecklich", so Beasley. "Doch obwohl 20 Millionen Jemeniten fürchterlich leiden, weil sie nicht genug zu essen haben, erfahren wir erbitterten Widerstand dagegen, dass wir einfach unseren Job machen können, damit Menschen am Leben bleiben."

Im Dezember und im Januar hatten sich die Huthis schriftlich dazu bereit erklärt, eine biometrische Registrierung der Hilfsbedürftigen zuzulassen. Doch bis jetzt hätten sich die Aufständischen an ihr Versprechen nicht gehalten. 

Zerstörungen in Sanaa nach einem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten Koalition. | Bildquelle: AP
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Zerstörungen in Sanaa nach einem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten Koalition. Die Hauptstadt wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert.

Huthis: UN verteilen "verdorbenes Essen"

Die Huthis wiesen alle Vorwürfe stets zurück. Stattdessen beschuldigten sie das Welternährungsprogramm, Lebensmittel zu verteilen, bei denen das Haltbarkeitsdatum abgelaufen sei. Anstatt "verdorbenes Essen" auszugeben, solle die Organisation besser Geld verteilen. Zudem verstoße die vom Welternährungsprogramm geforderte Datensammlung gegen jemenitisches Recht.

Sowohl die Huthis als auch Regierungskräfte setzten in der Vergangenheit internationale Hilfslieferungen immer wieder als Waffe ein. So verhinderten sie, dass bestimmte Dörfer oder Regionen, die sie jeweils als feindselig einschätzten, Güter erhielten.

UN: Regierung reagiert auf Kritik, Huthis nicht

Der Chef des Welternährungsprogramms wies vor dem Weltsicherheitsrat aber auf einen wichtigen Unterschied hin: Wann immer sich seine Mitarbeiter darüber beschwerten, dass in von der Regierung kontrollierten Gebieten Hilfslieferungen abgezweigt würden, gehe die Regierung dem sofort nach und arbeite bei der Aufklärung der Sache mit dem Welternährungsprogramm zusammen. Das System zur biometrischen Registrierung von Hilfsempfängern läuft in den Regierungsgebieten bereits.

Der Einsatz im Jemen ist der größte des Welternährungsprogramms weltweit. Im März versorgte die Organisation dort fast elf Millionen Menschen mit Lebensmitteln. Zum Vergleich: 2017 erhielten monatlich etwa drei Millionen Jemeniten solche Unterstützung. Rund 28 Millionen Menschen leben im Jemen. Die humanitäre Krise dort gilt als die schlimmste der Welt.

Welternährungsprogramm stellt Jemen-Hilfe teilweise ein
Karsten Kühntopp, ARD Kairo
21.06.2019 12:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2019 um 13:22 Uhr.

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