Ein Drogensüchtiger setzt sich einen Schuss Heroin | Bildquelle: dpa

Suizide und Drogen Lebenserwartung in den USA sinkt

Stand: 29.11.2018 11:47 Uhr

Tendenziell steigt in hoch entwickelten Industrienationen die Lebenserwartung - in den USA hat sich der Trend allerdings umgekehrt. Gründe sind steigende Suizidraten und Drogenmissbrauch.

Die um sich greifende Drogenepidemie und eine zunehmende Zahl von Suiziden lassen die durchschnittliche Lebenserwartung der US-Bürger sinken.

Die Lebenserwartung habe im Jahr 2017 bei 78,6 Jahren gelegen und damit 0,1 Jahre unter dem Wert des Vorjahres, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Die Behörde kommentierte die Entwicklung mit großer Sorge und sprach von einem "Weckruf".

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US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen die Drogenepidemie zu einer Priorität erklärt.

"Vermeidbare Ursachen"

Ein solches Absinken ist für ein hoch entwickeltes Industrieland äußerst ungewöhnlich. "Wir verlieren zu viele Amerikaner in zu jungen Jahren, und allzu oft hat das vermeidbare Ursachen", erklärte CDC-Direktor Robert Redfield. Im Jahr 2017 sei die Zahl der Menschen, die an einer Drogen-Überdosis starben, sei um 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Zahl der Suizide habe um 3,7 Prozent zugenommen.

Die Drogenepidemie in den USA liegt vor allem am immer weiter verbreiteten Missbrauch von Schmerzmitteln - wie dem synthetischen Opioid Fentanyl. Auch Heroin spielt eine Rolle.

Höchststand bei Drogentoten

Die Zahl der Drogentoten in den USA ist nach Informationen der "New York Times" im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand aller Zeiten gestiegen.

Insgesamt 70.237 Menschen erlagen einer Überdosis, wie die Zeitung unter Berufung auf Daten CDC berichtete. Dies seien mehr Tote als in den USA jemals in einem Jahr durch Autounfälle, Aids oder Schusswaffen ums Leben gekommen seien.

Trendumkehr in 2015

Die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA war 2015 nach Jahrzehnten des Anstiegs erstmals leicht gesunken. Seitdem sei der Wert um insgesamt 0,3 Jahre gefallen, sagte der Leiter der Sterbestatistik-Abteilung beim CDC, Robert Anderson, der Nachrichtenagentur AFP.

Ein derartiges Sinken sei seit der katastrophalen Spanischen Grippe nach dem Ersten Weltkrieg 1918 nicht mehr verzeichnet worden. "Wir sind ein hoch entwickeltes Land, wir haben viele Ressourcen, und wir sollten eigentlich eine steigende Lebenserwartung haben und keine sinkende", sagte Anderson. 

In Deutschland liegt die Lebenserwartung derzeit bei rund 83 Jahren für Frauen und 78 Jahren für Männer.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. November 2018 um 16:50 Uhr.

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