Minen-Warnschild in der Ukraine | REUTERS

Bericht für 2019 Tausende Opfer durch Landminen

Stand: 12.11.2020 11:31 Uhr

2019 wurden 5554 Menschen Opfer von Landminen und explosiven Kriegsresten. Besonders betroffen ist laut einem Bericht die Zivilbevölkerung - etwa in Afghanistan. Durch die Corona-Pandemie wurde die Räumung teils unterbrochen.

Landminen und andere explosive Kriegsüberreste haben im vergangenen Jahr mindestens 5554 Menschen auf der Welt getötet oder verletzt. Das entspricht einem Expertenbericht zufolge durchschnittlich 15 Toten und Schwerverletzten pro Tag. Die Dunkelziffer sei jedoch höher.

Die meisten der Leidtragenden seien in Afghanistan, Syrien, Myanmar, Mali und der Ukraine gezählt worden. Die Zahlen entstammen dem veröffentlichten Landminenreport der International Campaign to Ban Landmines (ICBL). Fast alle Getöteten und Schwerverletzten sind demnach in der Zivilbevölkerung zu finden, darunter seien auch 1562 Kinder.

Hohe Opferzahlen durch improvisierte Minen und Sprengsätze

Mehr als 20 Jahre nach Inkrafttreten des Verbots von Landminen sorgen laut ICBL vor allem improvisierte Minen und Sprengsätze in bewaffneten Konflikten seit einigen Jahren für hohe Opferzahlen. Zum fünften Mal in Folge seien 2019 die meisten der Opfer durch selbstgebaute Minen verursacht worden - mehr als die Hälfte (2994) der verletzten oder getöteten Menschen. Die Zahl der Opfer sei jedoch rückläufig. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 lag die Opferzahl demnach bei 6897, im Jahr 2017 bei 7253 und im Jahr 2016 bei 9439.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Minenräumung dem Bericht zufolge vielerorts unterbrochen worden.

Hilfsorganisation fordert Anpassung der Maßnahmen an Pandemie

Die Hilfsorganisation Handicap International (HI) forderte nach Veröffentlichung des Landminen-Monitors, dass die Räumungsaktivitäten nun an die notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen in der Pandemie angepasst und fortgeführt werden müssen, um die Welt von Minen zu befreien. Einige ursprünglich für Minenräumung und Aufklärung der Bevölkerung bestimmte Mittel seien HI zufolge zudem für Corona-Gegenmaßnahmen umgewidmet worden.

Zugleich rief die gemeinnützige Organisation alle Staaten auf, Druck auf kriegsführende Parteien auszuüben, damit sie den Einsatz dieser "barbarischen Waffen" beendeten. Das Ziel, die Welt bis 2025 von Minen zu befreien, müsse aufrechterhalten werden, betonte Eva-Maria Fischer von HI Deutschland.

Bericht erfasst Auswirkungen des Ottawa-Vertrags

Der Bericht des "Landminen-Monitors" für 2019 erfasst die Auswirkungen des Ottawa-Vertrags, der den Einsatz, die Herstellung, die Weitergabe und die Lagerung von Antipersonenminen verbietet. Der Ottawa-Vertrag trat am 1. März 1999 in Kraft. Insgesamt sind 164 Staaten dem Vertrag beigetreten.

Kommende Woche findet online das jährliche Treffen der Staaten statt, die dem Ottawa-Abkommen beigetreten sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. November 2020 um 12:00 Uhr.