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Boot vor Lampedusa gekentert Erneut viele Tote bei Flüchtlingsdrama

Stand: 11.10.2013 23:07 Uhr

Bei einem erneuten Bootsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa sind mindestens 26 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Viele weitere konnten offenbar gerettet werden, da ein maltesisches Flugzeug das Boot entdeckte.

Jan-Christoph Kitzler ARD-Studio Rom

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Noch ist das ganze Ausmaß dieser neuen Katastrophe nicht abzusehen. Es scheint nur festzustehen, dass an Bord des gekenterten Flüchtlingsbootes über 250 Menschen waren. Maltas Regierungschef Joseph Muscat sprach von mindestens 26 Toten, italienische Agenturen hatten von etwa 50 Opfern berichtet. Darunter sind offenbar auch viele Frauen und Kinder. Die Zahl der Opfer könne sich aber noch erhöhen.

Flüchtlingsboot im Mittelmeer

Erste Rettungsmaßnahmen - aufgezeichnet von der maltesischen Marine.

Entdeckt hatte das Flüchtlingsboot offenbar am späten Nachmittag ein Flugzeug aus Malta - etwa 60 Meilen südöstlich der Mittelmeerinsel Lampedusa. Augenzeugenberichten zufolge wollten die Migranten auf sich aufmerksam machen, brachten das Boot dadurch aber aus dem Gleichgewicht und schließlich zum Kentern.

200 Menschen konnten gerettet werden

Allerdings waren zwei Schiffe der italienischen Marine in der Nähe. Von Hubschraubern aus wurden Rettungsinseln und Rettungswesten abgeworfen. Etwa 150 Menschen konnten anscheinend von einem maltesischen Schiff aufgenommen werden, rund 50 sind an Bord eines italienischen Schiffes gegangen.

Schon vor diesem Unglück waren von italienischen Kräften an diesem Tag insgesamt 500 Menschen auf fünf Booten in Seenot gerettet worden. Für die inzwischen 329 Todesopfer eines Unglücks der vergangenen Woche gab es dagegen keine Rettung. Ihr Schiff war ebenfalls in der Nähe von Lampedusa gekentert. Die Katastrophe hatte viel Betroffenheit und eine Diskussion über die europäische Flüchtlingspolitik ausgelöst.

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KOMMENTARE

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alienated 12.10.2013 • 03:43 Uhr

Märchen Überpopulation

Bereits jetzt können 12 Milliarden Menschen ernährt werden, so u.a. der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler. Nicht die Anzahl der Menschen ist das Kernproblem sondern die ungleiche Verteilung der produzierten Güter bzw. des Eigentums sowie das damit verbundene Herrschafts- bzw. Unterdrückungsgefälle zwischen dem globalen Norden und dem Süden. Der Kapitalismus steht nicht nur für eine immense Produktion an Gütern, sondern auch für deren verschwenderischen Einsatz und Konzentration zu Gunsten weniger Menschen - zu denen sich bisher noch die westeuropäische Mittelschicht zählt. Noch sehen Viele jener in vermehrtem Druck und Abgrenzung zu sozial Schwächeren (wie hier Geflüchtete) eine Lösung und weisen doch zugleich ihre eigene Verantwortung zurück: 'Ursachen der "Tragödien" seien Schlepper_innen' usw. Ihr bisheriger Status als Wohlhabende sehen sie als natürlich und verteidigunswürdig an. Dass Reichtum für Andere Armut bedeutet, wird übersehen.