Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und ihr Amtskollege Anatolie Nosatii der Republik Moldau | dpa

Nach Putins Atomdrohungen Lambrecht warnt vor Lähmung - und vor Eskalation

Stand: 01.10.2022 14:04 Uhr

Verteidigungsministerin Lambrecht hat angesichts der russischen Atomdrohungen vor einer Lähmung des Westens gewarnt. Gleichzeitig gelte es aber auch, eine weitere Eskalation zu verhindern, sagte sie beim Besuch der Republik Moldau.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat angesichts der russischen Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen vor einer Lähmung des Westens gewarnt und zur weiteren Unterstützung der Ukraine aufgerufen.

Die Drohungen würden von der Bundesregierung ernst genommen und sehr besorgt beobachtet, sagte die SPD-Politikerin in Chisinau in Moldau nach einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Anatolie Nosatii. "Da gilt es, sehr aufmerksam zu sein. Aber da gilt es auch, sich von solchen Drohungen nicht lähmen zu lassen", warnte Lambrecht.

Bereit zu mehr militärischer Zusammenarbeit

Sie ergänzte: "Das darf nicht dazu führen, dass man nachlässig in der Unterstützung für die Ukraine wird." Es gelte nun, "wachsam zu sein, sehr besonnen zu reagieren und auch dafür zu sorgen, dass es zu keiner weiteren Eskalation kommt". Die Ukraine müsse weiterhin konsequent unterstützt werden.

Zuvor war Lambrecht mit militärischen Ehren zu einem Besuch in der an die Ukraine grenzenden Republik Moldau von Nosatii empfangen worden. Sie bekräftigte Deutschlands Bereitschaft zu einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit mit Moldau. "Selbstverständlich beobachten wir die Situation hier in Moldau mit den besonderen Herausforderungen, die sich oft aus der Lage heraus ergeben", sagte Lambrecht. "Wir sind auch bereit, diese Zusammenarbeit zu intensivieren", fügte die Ministerin hinzu und nannte die Ausbildung von Soldaten sowie die militärische Ausrüstung als Beispiele.

EU fordert Reformen für Beitritt

Lambrecht war bereits am Freitagabend in der Republik Moldau eingetroffen, dem ärmsten Land Europas. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung lebt nach Angaben des Bundesentwicklungsministerium in absoluter Armut. Das Land ist eines der kleinsten Länder an der Grenze zur Ukraine und von den Fluchtbewegungen aus dem Nachbarland, aber auch von den Folgen der Corona-Pandemie und der Energiekrise stark betroffen. Moldau ist - wie die Ukraine - EU-Beitrittskandidat.

Nach einer Empfehlung der EU-Kommission sollen Beitrittsverhandlungen mit beiden Ländern erst beginnen, wenn diese weitere Reformauflagen erfüllt haben. Dabei geht es etwa um Justizreformen und stärkere Korruptionsbekämpfung. Entwicklungsministerin Svenja Schulze hatte kürzlich angekündigt, Moldau mit zusätzlich 60 Millionen Euro zur Bewältigung der Energiekrise zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Oktober 2022 um 12:02 Uhr.