Vincent Lambert auf einem Foto aus dem Jahr 2015, das von Angehörigen zur Verfügung gestellt worden war. | Bildquelle: AFP

Nach Urteil in Frankreich Koma-Patient Lambert gestorben

Stand: 11.07.2019 13:28 Uhr

Der Streit um den Koma-Patienten Vincent Lambert hat in Frankreich jahrelang die Justiz beschäftigt. Nachdem das oberste Gericht entschieden hatte, dass die Ernährung eingestellt werden durfte, ist er nun gestorben.

Nach jahrelangem Rechtsstreit ist der bekannteste französische Koma-Patient Vincent Lambert tot: Der 42-jährige starb heute früh in der Uniklinik in Reims. Das teilte seine Familie der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Ärzte hatten die künstliche Ernährung vor gut einer Woche gegen den Widerstand der Eltern eingestellt.

Das oberste Gericht Frankreichs hatte zuvor den Weg dazu freigemacht. Der Pariser Kassationshof annullierte Ende Juni ein Urteil der Vorinstanz. Damit konnten die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen beenden.

Eltern strengen Klage wegen "Mordes" an

Die Eltern Lamberts nennen seinen Tod ein "Staatsverbrechen". Die Regierung trage eine Mitverantwortung am Tod ihres Sohnes, erklärten die Anwälte der Eltern. Auch gegen den behandelnden Oberarzt von der Uniklinik in Reims erhoben die Eltern erneut schwere Vorwürfe. Er habe "gegen seinen Hippokratischen Eid verstoßen", der vorschreibt, Kranken nicht zu schaden. Die Eltern haben nach Aussage der Anwälte eine Klage wegen "Mordes" gegen die Ärzte angestrengt.

Mehr als zehn Jahre im Koma

Lambert hatte seit einem Motorradunfall 2008 in einer Art Wachkoma gelegen. Seine streng katholischen Eltern lehnten es ab, ihn sterben zu lassen. Lamberts Frau Rachel und andere Familienangehörige waren hingegen für ein Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen. Ihr Mann habe sich nie gewünscht, dass sein Leben künstlich verlängert werde, sagte Rachel Lambert vor einigen Jahren. Eine entsprechende Patientenverfügung von Vincent Lambert gab es allerdings nicht.

Das Foto zeigt die Mutter des Wachkomapatienten Lambert, die ein Foto von ihm zeigt. Mit Rücksicht auf die Familie wurden die Gesichter unkenntlich gemacht. | Bildquelle: AFP
galerie

Das Foto aus dem Jahr 2015 zeigt die Mutter des Wachkomapatienten Lambert, die ein Foto von ihm in den Händen hält. Mit Rücksicht auf die Familie wurden die Gesichter unkenntlich gemacht.

Aus dem Justizstreit um den Koma-Patienten war zuletzt ein Drama geworden: Die behandelnden Ärzte an der Uniklinik in Reims im Osten Frankreichs hatten die lebenserhaltenden Maßnahmen für Lambert Ende Mai beendet. Zuvor hatten mehrere Gerichte in diesem Sinne entschieden. Lamberts Eltern waren jedoch vor das Pariser Berufungsgericht gezogen. Das hatte angeordnet, dass eine Entscheidung des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderung abgewartet werden müsse.

Eltern hatten sich durch alle Instanzen geklagt

Dann allerdings urteilte der Kassationshof als oberste französische Instanz, dass das Berufungsgericht gar nicht befugt gewesen ist, den Behandlungsstopp aufzuheben. Zudem ließ der Gerichtshof keine Berufung gegen das Urteil zu.

Die Eltern hatten sich damit erfolglos durch alle Instanzen Frankreichs geklagt. Auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte waren sie gescheitert.

Aktive Sterbehilfe in Frankreich verboten

Die Anwälte von Lamberts Eltern drohten zuletzt, sie würden auch Minister zur Rechenschaft ziehen, sollten diese nicht die Entscheidung des UN-Gremiums abwarten.

Aktive Sterbehilfe ist in Frankreich - wie in Deutschland - verboten. Auch einem unheilbar kranken Menschen darf also kein tödlich wirkendes Mittel verabreicht werden. Passive Sterbehilfe durch das Abschalten von Apparaten und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind aber zulässig.

Französischer Wachkomapatient Vincent Lambert gestorben
Sabine Wachs, ARD Paris
11.07.2019 15:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: