Vincent Lambert auf einem Foto aus dem Jahr 2015, das von Angehörigen zur Verfügung gestellt worden war. | Bildquelle: AFP

Gerichtsurteil in Frankreich Koma-Patient Lambert darf sterben

Stand: 28.06.2019 19:37 Uhr

Vincent Lambert liegt seit 2008 im Koma. Seitdem bewegt der Fall Frankreich. Denn Lamberts Familie ist in der Frage, ob die künstliche Ernährung eingestellt werden darf, gespalten. Nun hat das oberste Gericht entschieden.

Das oberste Gericht Frankreichs hat den Weg zum Ende der künstlichen Ernährung für den Koma-Patienten Vincent Lambert freigemacht: Der Pariser Kassationshof annullierte in dem Fall ein Urteil der Vorinstanz, wie der Anwalt von Lamberts Ehefrau mitteilte. Damit könnten die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-Jährigen laut dem Anwalt "sofort" beenden.

Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 in einer Art Wachkoma. Seine streng katholischen Eltern lehnen es ab, ihn sterben zu lassen. Lamberts Frau Rachel und andere Familienangehörige sind hingegen für ein Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen. Ihr Mann habe sich nie gewünscht, dass sein Leben künstlich verlängert werde, sagte Rachel Lambert vor einigen Jahren. Eine entsprechende Patientenverfügung von Vincent Lambert gibt es allerdings nicht.

Das Foto zeigt die Mutter des Wachkomapatienten Lambert, die ein Foto von ihm zeigt. Mit Rücksicht auf die Familie wurden die Gesichter unkenntlich gemacht. | Bildquelle: AFP
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Das Foto aus dem Jahr 2015 zeigt die Mutter des Wachkomapatienten Lambert, die ein Foto von ihm in den Händen hält. Mit Rücksicht auf die Familie wurden die Gesichter unkenntlich gemacht.

Eltern hatten sich durch alle Instanzen geklagt

Aus dem Justizstreit um den Koma-Patienten war zuletzt ein Drama geworden: Die behandelnden Ärzte an der Uniklinik in Reims im Osten Frankreichs hatten die lebenserhaltenden Maßnahmen für Lambert Ende Mai beendet. Zuvor hatten mehrere Gerichte in diesem Sinne entschieden. Lamberts Eltern waren jedoch vor das Pariser Berufungsgericht gezogen. Das hatte angeordnet, dass eine Entscheidung des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderung abgewartet werden müsse.

Vor diesem Ausschuss will die Mutter des Koma-Patienten, Viviane Lambert, am kommenden Montag aussagen. Jetzt allerdings urteilte der Kassationshof als oberste französische Instanz, dass das Berufungsgericht gar nicht befugt gewesen ist, den Behandlungsstopp aufzuheben. Zudem ließ der Gerichtshof keine Berufung gegen das Urteil zu.

Anwälte der Eltern drohen jetzt den Ärzten und der Politik

Die Eltern haben sich damit erfolglos durch alle Instanzen Frankreichs geklagt. Auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte waren sie gescheitert.

Die Anwälte von Lamberts Eltern reagierten auf die Entscheidung des obersten französischen Gerichts mit einer massiven Drohung. Man werde den behandelnden Arzt wegen Mordes vor Gericht bringen, sollte er die Behandlung beenden. Auch Minister würden zur Rechenschaft gezogen werden, sollten diese nicht die Entscheidung des UN-Gremiums abwarten.

Aktive Sterbehilfe ist in Frankreich - wie in Deutschland - verboten. Auch einem unheilbar kranken Menschen darf also kein tödlich wirkendes Mittel verabreicht werden. Passive Sterbehilfe durch das Abschalten von Apparaten und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind aber zulässig.

Mit Informationen von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2019 um 21:00 Uhr.

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