US-Außenminister Mike Pompeo | Bildquelle: AP

Drohender Angriff der Türkei Pompeo sichert Kurden Schutz zu

Stand: 04.01.2019 21:42 Uhr

US-Außenminister Pompeo hat den syrischen Kurden auch weiterhin den Schutz seines Landes zugesichert. Er wolle sicherstellen, "dass die Türken die Kurden nicht abschlachten". Die Aussage ruft in Ankara Kritik hervor.

US-Außenminister Mike Pompeo hat mit Äußerungen zu den Kurden in Syrien für Empörung beim NATO-Verbündeten Türkei gesorgt. Der Webseite Newsmax hatte er gesagt, auch bei einem Abzug der US-Truppen aus Syrien bleibe es für die USA wichtig, sicherzustellen, "dass die Türken die Kurden nicht abschlachten". Das Außenministerium in Ankara kritisierte, Pompeos Aussagen deuteten auf "einen besorgniserregenden Mangel an Wissen" hin.

Das türkische Außenministerium warf Pompeo vor, die von Ankara als Terrororganisation eingestufte Kurdenmiliz YPG mit den Kurden gleichzusetzen. Die Türkei werde die YPG weiter bekämpfen.

"Unsere Truppen kommen raus"

Pompeo wollte sich nicht auf einen Zeitplan zu dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Truppenabzug festlegen. Man wolle den Gegner nicht wissen lassen, wann man abziehe. Dass die Truppen abziehen würden, stehe aber fest. "Unsere Truppen kommen raus", sagte Pompeo.

Die USA arbeiten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien mit der YPG zusammen. Erneut gab es Meldungen, dass die von Kurden angeführten Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur eine Offensive durchführen - in dem letzten von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehaltenen Gebiet. Dabei werden sie mit Luftangriffen des US-geführten Bündnisses unterstützt. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass bei der Offensive zehn Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Eine Bestätigung für die Meldung gab es nicht.

Die Türkei kritisiert seit langem die Zusammenarbeit zwischen den USA und den Kurden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte im vergangenen Monat eine Offensive gegen die Kurdenmiliz angekündigt, sie allerdings verschoben, nachdem Trump den Abzug der US-Soldaten aus Syrien beschlossen hatte.

US-Außeminister Mike Pompeo mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, rechts. | Bildquelle: AFP
galerie

Pompeo und Erdogan, rechts, im Oktober des vergangenen Jahres. Es gebe Themen, bei denen die USA "echte Sorgen" hätten, so der Außenminister.

Pompeo reist in die Region

Mit Blick auf die Türkei sagte Pompeo, es gebe Bereiche, bei denen die Türkei Anliegen der USA unterstütze. Es gebe andere Themen, bei denen die USA "echte Sorgen" hätten. So würden immer noch US-Staatsbürger in der Türkei festgehalten.

Pompeo wird in der kommenden Woche in die Region reisen, um die dortigen Partner zu treffen. Er werde vom 8. bis zum 15. Januar acht Länder im Nahen Osten besuchen, kündigte das Ministerium an. Geplant seien Stationen in Jordanien, Ägypten, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, Oman und Kuwait. Eine zentrale Botschaft der Reise sei, dass die USA den Nahen Osten nicht alleine ließen.

In Saudi-Arabien will Pompeo laut Außenministerium auch erneut über den Mord an dem regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi reden.

Sicherheitsberater Bolton in Israel

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton wiederum wollte heute zu einer Reise nach Israel und in die Türkei aufbrechen, wie er auf Twitter ankündigte. Begleitet wird er von US-Generalstabschef Joseph Dunford und dem Syrien-Gesandten James Jeffrey.

Bolton schrieb, er wolle bei seinen Gesprächen über den Truppenabzug reden. Die USA stünden an der Seite der Partner, mit denen sie gemeinsam gegen den IS gekämpft hätten. Man arbeite weiter gemeinsam daran, ein Wiedererstarken des IS zu verhindern.

Am Sonntag ist unter anderem ein Treffen Boltons mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu geplant, wie beide Seiten mitteilten.

Trump hatte Mitte Dezember den Rückzug der 2000 US-Soldaten aus Syrien bekanntgegeben, was national wie international Empörung und Beunruhigung auslöste. Er begründete seinen Entschluss damit, dass der IS besiegt sei. Viele Experten sehen dies anders.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2019 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: