Irakisch-kurdische Peschmerga bei einer Abschlussfeier | Bildquelle: AFP

Vorwürfe von Human Rights Watch Massenhinrichtungen von IS-Kämpfern?

Stand: 09.02.2018 09:07 Uhr

Nach Recherchen von Human Rights Watch sollen kurdische Sicherheitskräfte im vergangenen Sommer Hunderte "IS"-Kämpfer ermordet haben. Die Führung der Autonomieregion bestreitet die Vorwürfe.

Human Rights Watch (HRW) hat den Sicherheitskräften der kurdischen Autonomieregion im Nordirak vorgeworfen, Hunderte Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) ohne Gerichtsverfahren hingerichtet zu haben.

Die Polizeikräfte Assajesch hätten vergangenen Sommer nahe der Ortschaft Sumar "eine Woche lang jede Nacht" gefangene IS-Mitglieder getötet, erklärte die stellvertretende HRW-Direktorin für den Nahen Osten, Lama Fakih.

Womöglich seien so mehrere Hundert Gefangene erschossen worden, sagte sie. Demnach wurden die Leichen in einem Massengrab verscharrt. HRW stützt sich auf die Aussagen eines früheren Mitglieds der kurdischen Sicherheitskräfte und von sechs Anwohnern.

Schnelle Ermittlungen gefordert

Fakih forderte umgehend "transparente Ermittlungen" der irakischen und kurdischen Behörden, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Außergerichtliche Hinrichtungen und Folter während eines bewaffneten Konflikts seien Kriegsverbrechen. Die Zeit dränge, da das mutmaßliche Massengrab im Überflutungsgebiet der Mossul-Talsperre liege.

Laut den HRW-Recherchen inhaftierten kurdische Peschmerga zahlreiche irakische und ausländische IS-Kämpfer in einer Schule in Sahel al-Maliha.

Von dort hätten die Assajesch sie zunächst in ein Gefängnis gebracht, bevor sie an zwei Stätten nahe Sumar gefahren worden seien. Dort sollen sie zwischen dem 28. August und dem 3. September hingerichtet worden sein.

Mossul-Talsperre | Bildquelle: AFP
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HRW befürchtet, dass eine Überflutung der Massengräber durch die Mossul-Talsperre eine Untersuchung erschweren wird.

Grabstelle für bei Kämpfen Getötete?

Ein Vertreter der kurdischen Autonomieregion bestritt die Angaben. Dindar Sebari, Koordinator für Außenbeziehungen, sagte Human Rights Watch, dass Peschmerga und Assajesch in der Region gegen eine IS-Gruppe gekämpft hätten, die nach Syrien zu entkommen versuchte. Vermutlich seien die bei den Kämpfen getöteten IS-Mitglieder an einen Ort gebracht und dort begraben worden, so Sebari.

Allerdings liegt das Massengrab laut HRW 40 Kilometer vom Ort der Kämpfe entfernt. Außerdem sei damit nicht erklärt, warum die Leichen laut den Augenzeugen alle mit einer Kugel im Kopf gefunden wurden, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

HRW wirft irakischen Kurden Massenhinrichtungen von IS-Kämpfern vor
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
09.02.2018 12:48 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 09. Februar 2018 Deutschlandfunk um 06:00 Uhr in den Nachrichten und NDR Info im "Mittagsecho" ab 13:00 Uhr.

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