Der Schöne Brunnen (l.) vor der Kulisse der Frauenkirche auf dem Hauptmarkt in der Altstadt Nürnbergs. | Bildquelle: dpa

Kulturhauptstadt Europas 2025 Fünf deutsche Städte hoffen auf den Titel

Stand: 28.10.2020 04:20 Uhr

In Berlin wird heute die Empfehlung für die Kulturhauptstadt Europas 2025 bekanntgeben. Von den acht ins Rennen gegangen deutschen Städten sind noch fünf dabei - Hannover, Hildesheim, Nürnberg, Chemnitz und Magdeburg.

Von Matthias Reiche, ARD-Studio Brüssel

Um Punkt 13.27 Uhr will die zwölfköpfige Jury ihr Votum der bekanntgeben. Das Entscheidungsgremium wird durch die höchsten EU-Institutionen benannt, erzählt Ulrich Fuchs. Von 2014 bis 2018 leitete er die Auswahlkommission, die darüber entscheidet, welche Stadt den Titel tragen darf.  

"Es gibt vier Teile der Prüfung: Einmal ist es das Bewerbungsdossier, das jede Stadt einreicht. Nach meiner Erfahrung macht das 40 bis vielleicht 50 Prozent der Entscheidungsfindung aus."

Dazu müssen die Abgesandten der Bewerberstädte in einer Art mündlichen Prüfung eine Präsentation vorlegen und sich dann 45 Minuten lang den Fragen der Jury stellen. Die besucht in einer letzten Runde die Städte, was diesmal natürlich nur digital stattfinden konnte.

Selten Einigkeit

Die Entscheidung fällt dann selten einstimmig aus, wie Ulrich Fuchs aus seiner Erfahrung als ehemaliger Jury-Chef weiß.

"Natürlich gibt es da auch Differenzen und Diskrepanzen in der Jury. Es wird nie handgreiflich, aber die Argumente fliegen hin und her. Und das Verfahren ist dann am Schluss eigentlich so, dass man erstmal Übereinstimmung sucht: Gibt es eine Stadt, die nicht in Frage kommt? Und wenn es da eine Einigung gibt, dann sind es vielleicht nur noch vier. Dann gibt es weiter eine Verengung auf eventuell nur noch drei. Und bei den letzten zwei wird dann geheim abgestimmt."

Zu den zahlreichen Bewertungskriterien gehört, dass ein Bewerber mit dem Titel nicht nur sein Marketing ankurbeln will, sondern eine Strategie verfolgt, die Stadt auch über das Jahr als Kulturhauptstadt hinaus, kreativ und nachhaltig zu entwickeln.

Gibt es einen Ost-Bonus?

Welche Chancen Chemnitz und Magdeburg dabei haben, ist kaum vorherzusagen. Nicht nur die sächsische EU-Abgeordnete Constanze Krehl sieht einen eventuellen Ost-Bonus eher skeptisch.

"Das klingt gut, aber ich denke, dass letztendlich das Konzept ausschlaggebend sein muss, und ich denke, dass Chemnitz dafür gute Karten hat, und, dass wir 30 Jahre nach der Wiedervereinigung vielleicht nicht immer nach einem Ost-Bonus fragen müssen."

Das sieht Kulturhauptstadt-Experte Fuchs ähnlich. Aber am Ende könnte es   vielleicht doch und zu recht einen Ost-Bonus geben.

"Aber nur dann, wenn die Bewerbung von Chemnitz oder Magdeburg genauso gut ist wie eine von den drei Westdeutschen. Dann könnte eben auch zählen, dass man sagt: Naja, die letzte Kulturhauptstadt war in Westdeutschland mit Essen und dem Ruhrgebiet, vielleicht ist die nächste doch in Ostdeutschland."

Offiziell ernannt wird die Kulturhauptstadt auf Grundlage der heutigen Empfehlung zum Jahresende von der Kulturministerkonferenz. Aus einer EU-Studie von 2013 geht hervor, dass der Titel den meisten Städten, neben dem Preisgeld von 1,5 Millionen Euro, vor allem mehr Aufmerksamkeit und zusätzliche Besucher, zuweilen auch einen dauerhaften Imagewandel gebracht hat.

Das Rennen um Europas Kulturhauptstadt 2025
Matthias Reiche, MDR Brüssel
28.10.2020 06:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 28. Oktober 2020 um 08:11 Uhr.

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Matthias Reiche, MDR

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