Küken in Mastfarm | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/M

Massenhaftes Töten von Küken Schredder-Stopp lässt auf sich warten

Stand: 24.03.2017 04:08 Uhr

Im Januar hatte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt angekündigt, dass das massenhafte Schreddern von Küken 2017 enden werde. Ein Versprechen, das er wohl nicht halten kann - die Technik braucht noch Zeit.

Von Birgit Schmeitzner und Arne Meyer-Fünffinger, BR

Jedes Jahr sterben in Deutschland fast 50 Millionen Küken - aus wirtschaftlichen Gründen. Für die Geflügelindustrie sind diese Tiere uninteressant, weil sie keine Eier legen und zu wenig Fleisch ansetzen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte im Januar auf der Messe "Grüne Woche" in Berlin angekündigt, ein Alternativverfahren sei jetzt verfügbar. Außerdem steht das Ministerium weiter zu dem Ziel: 2017 kommt der Schredder-Ausstieg. Nach BR-Informationen ist dieser Zeitplan kaum noch zu halten.

Schmidt wähnte sich fast schon am Ziel, als er auf der "Grünen Woche" eine Art Vorführmodell präsentierte, basierend auf einem von Wissenschaftlern von den Universitäten Leipzig und Dresden entwickelten Laserspektroskopie-Verfahren. Dieses ermöglicht eine Geschlechterbestimmung im Ei schon nach wenigen Tagen.

Nach Angaben von Projekt-Koordinatorin Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns von der Uni Leipzig ist das Verfahren "schnell, hat keinen negativen Einfluss auf die Legeleistung und relativ preisgünstig". Das qualvolle Kükenschreddern wäre damit also Geschichte.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt
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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte im Januar in Aussicht gestellt, dass das Schreddern von Küken noch 2017 enden könnte.

Warten auf den Prototyp

Landwirtschaftsminister Schmidt betonte in einem Interview, die neue Technologie "ist ab jetzt zu ordern und verfügbar". Die Fachleute in Schmidts Ministerium, so ist zu hören, haben bei dieser Aussage die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. "Fahrlässig" und "völlig unrealistisch" sei sie gewesen.

Deutlicher Widerspruch kommt auch aus den Reihen der Industrie. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft - er vertritt bundesweit rund 8000 Mitglieder - teilte schriftlich mit: "Die Branche wartet, wie alle Beteiligten, auf den Prototypen. Danach gilt es noch, die Praxisreife zu erlangen. Es lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt schlicht nicht seriös vorhersagen, wann die Praxisreife flächendeckend gegeben sein wird."

So gibt es momentan noch ungeklärte Patentfragen, außerdem ist die weitere Finanzierung unklar. Offen ist zudem, welche Firma die Endgeräte herstellen wird. Frühestens im Juni dürfte ein erster Prototyp fertig sein.

Für den Agrarexperten der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, ist deswegen klar: "Der Bundeslandwirtschaftsminister wird sein Ziel, 2017 das Kükenschreddern zu beenden, nicht halten können." Ganz im Gegenteil werde Schmidt diese Marke "meilenweit reißen".

Den "Einstieg in den Ausstieg" geschafft

Äußerungen aus den Reihen der verantwortlichen Wissenschaftler klingen ebenfalls nicht so, als wenn die von Schmidt angekündigte Markteinführung unmittelbar bevorstünde. Projekt-Koordinatorin Krautwald-Junghanns erklärte, sie könne nicht ausschließen, dass die praxisreife Umsetzung des Verfahrens noch zwei bis drei Jahre dauern werde. Für alle weiteren Auskünfte verwies sie an die Pressestelle des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Ein interner Vermerk aus dem Ministerium zeigt, dass die eigene Hausspitze inzwischen Klärungsbedarf hat. Zumindest hat sie die zuständige Fachabteilung um eine Stellungnahme gebeten zu Äußerungen beteiligter Wissenschaftler, "dass die Geräte erst in drei Jahren in den Brütereien stehen werden". Vielleicht klingt das Schmidt-Ressort deswegen inzwischen deutlich zurückhaltender. "Die Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei stehen vor dem Sprung vom Labor in die Praxis. Damit ist der Einstieg in den Ausstieg geschafft", teilte eine Ministeriumssprecherin schriftlich mit.

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