Die Grabstätte Kuciaks auf dem Friedhof in Stiavnik | Bildquelle: JAKUB GAVLAK/EPA-EFE/REX

Erster Jahrestag Kuciak-Mord - noch ist nichts aufgeklärt

Stand: 17.03.2019 13:01 Uhr

Die Ermordung des Journalisten Jan Kuciak vor einem Jahr löste in der Slowakei Massenproteste und eine Regierungskrise aus. Es folgten Reformen, doch inzwischen steigt der politische Druck auf Journalisten.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Jeden Tag gehen Josef Kuciak und seine Frau Jana auf den Friedhof von Stiavnik, zum Grab ihres Sohnes Jan. Der Schmerz ist in diesen Tagen wieder sehr präsent, genau wie die Zweifel, ob das Verbrechen jemals vollständig aufgeklärt wird. "Wir haben das Gefühl, als ob sich jemand bemüht, zu verhindern, dass die Untersuchung zu Ende geführt wird", sagt der Vater.

Zwar sitzen vier Tatverdächtige in Untersuchungshaft, außerdem seit dem vergangenen Sommer ein Geschäftsmann als mutmaßlicher Auftraggeber. Aber die slowakischen Ermittler sind mit ihrer Arbeit noch nicht fertig.

"Eine vollständige Aufklärung würde uns zwar unseren Sohn nicht zurückbringen. Aber es geht mir darum, dass sich etwas in der Gesellschaft ändert", sagt Josef Kuciak. "Bisher ist es aber so, dass es sich wiederholen kann, dass es auch einer anderen Familie passieren kann. Und das ist das Schlimmste."

Protest in der Slowkei nach dem Mord an Kuciak | Bildquelle: AP
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Der Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina löste Massenproteste in der Slowakei aus. (Archivbild)

"Sehr robuste Ermittlungen"

Daniel Lipsic, ehemaliger Justizminister und Anwalt der Familie Kuciak, ist etwas optimistischer: "Ich habe Vertrauen in das Ermittlerteam und die Staatsanwälte. Es gab Fehler am Anfang. Aber nach den Wechseln bei der Polizei und dem öffentlichen Druck, sind die Ermittlungen sehr robust."

Dem stimmt auch Zuzana Petkova zu. Die ehemalige Journalistin leitet in Bratislava die Organisation "Stopp der Korruption". Sie erzählt:

"Ich hoffe, der Mord hat die Leute bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei wirklich wachgerüttelt. Sie machen jetzt ihre Arbeit wirklich ordentlich und bemühen sich, sowohl den Mord an Kuciak als auch damit zusammenhängende Fälle zu ermitteln."

Die Ermittler hätten freie Hand, um die kriminellen, mafiösen Netzwerke in Politik und Wirtschaft aufzudecken und strafrechtlich zu verfolgen, meint auch Anwalt Lipsic. "Das sind schwerwiegende Verdachtsmomente. Und wahrscheinlich kommt dabei viel Dreck hoch. Aber ich hoffe, es hat eine heilende Wirkung für die Gesellschaft."

Verbalattacken auf Journalisten

Die politischen Rahmenbedingungen für die Ermittler mögen sich verbessert haben. Für die Journalisten gilt das allerdings nicht, auch wenn ihre Arbeit jetzt in der Gesellschaft besser akzeptiert ist.

"Wir sehen wieder immer öfter, dass Politiker die Medien attackieren", sagt Arpad Soltez, Leiter des neu gegründeten Jan-Kuciak-Zentrums für investigativen Journalismus. "Vielleicht ist es noch ausgeprägter als früher, weil einige dieser Leute heute nicht mehr nur ums politische Überleben, sondern um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen."

Politiker wollen mehr Rechte

Die Lage der Journalisten könnte sich sogar noch deutlich verschlechtern. Im Parlament liegt ein neues Pressegesetz, das die Medien an die Leine legen könnte.

"Sie wollen ein Recht auf Gegenrede für Politiker einführen. Dabei geht es nicht um ein Recht auf Gegendarstellung bei falschen oder unrichtigen Behauptungen. Sie wollen ein Recht auf Gegenrede auch bei politischen Kommentaren", sagt Soltez.

Peter Bardy, Chefredakteur des Nachrichtenportals "aktuality.sk", für das Jan Kuciak arbeitete, hofft, dass dieses Gesetz auf Druck internationaler Institutionen noch zu verhindern ist.

"Die Ereignissen nach dem Mord an Jan Kuciak haben uns gezeigt, dass sich ohne internationalen Druck in der Slowakei nichts ändern wird. Ich bin überzeugt, ohne diesen Druck wären auch die Mordermittlungen komplizierter und nicht dort, wo sie heute sind."

Kuciaks Ex-Chef bleibt optimistisch

Aber glaubt er daran, dass der Mord an Kuciak und Martina Kusnirova vollständig aufgeklärt wird? Daran habe er vom ersten Tag an nicht gezweifelt, macht Bardy deutlich. "Als ich von dem Mord an Jan und Martina erfahren habe, sagte ich sofort: 'Ich glaube daran, dass der Fall geklärt und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt und bestraft werden.' Heute zweifle ich genausowenig daran."

Ein Konterfei des ermordeten Investigativjournalisten Jan Kuciak steht vor den Räumen der Aktuality Redaktion. | Bildquelle: dpa
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Wird der Mord aufgeklärt werden? Der Anwalt der Familie und Kuciaks Ex-Chef sind optimistisch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Februar 2019 um 5:49 Uhr.

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