Raúl Castro (rechts im Bild), Ex-Präsident von Kuba und sein Nachfolger Miguel Díaz-Canel (links) nach der Wahl. | dpa

Ende der Castro-Ära Die kubanische Máximo Lider-Frage

Stand: 19.04.2021 04:00 Uhr

Seit der Revolution 1959 wurde Kuba von Mitgliedern der Familie Castro geführt. Auf dem Kongress der Kommunistischen Partei steht heute die Ernennung des neuen Parteichefs an. Als Favorit gilt Staatschef Díaz Canel.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

#SomosCuba #Somos Continuidad twittert Miguel Díaz Canel in diesen Tagen häufig. Wir sind Kuba, wir sind Kontinuität - damit scheint er die Einheit beschwören zu wollen, kurz bevor Raúl Castro endgültig aus dem Politik-Geschäft ausscheidet.

Anne Demmer

Das Präsidentenamt hatte der 60-jährige bereits 2018 von Raúl Castro übernommen, jetzt wird er auch als der Nachfolger für den Vorsitz der Kommunistischen Partei gehandelt. Bislang ist Díaz Canel nicht durch sein Charisma aufgefallen.

Wegen seiner Linientreue ist er so weit gekommen, sagt Bert Hoffmann vom Hamburger Giga-Institut für Globale und Regionale Studien: "Die ganze Tragik des Generationenwechsels besteht darin, dass alle, die jetzt in die Führungspositionen aufgestiegen sind von der neuen Generation es eben sind, weil sie eben loyal funktionierende Kader waren, die sich im Apparat von Staat und Partei gut zu bewegen wissen, die aber keine Ausstrahlung in die breite Bevölkerung haben, da eher als Opportunisten wahrgenommen werden, die konnten auch gar kein eigenes Profil entwickeln."

Führungswechsel in der Krise

Díaz Canel ist kein Militär und kennt die kubanische Revolution von 1959 nur aus den Geschichtsbüchern. Der Mann mit den grau melierten Haaren, hat sich über Jahre zäh nach oben gearbeitet. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit 30 Jahren, der Pandemie findet der Führungswechsel statt.

Herausforderungen für die neue Generation gebe es viele, sagt der kubanische Politologe und ehemalige Diplomat Carlos Alzugaray: "Das Verhältnis zwischen Kuba und den USA bleibt ein Problem. Raúl Castro hat es versucht zu lösen, soweit er konnte. Er hat die Annäherung mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama vorangetrieben, aber dieser Raum, diese Öffnung war für einen Moment - so scheint es. Und ich glaube, wir werden nicht sehr bald an diesen Punkt zurückkehren."

Kontinuität garantiert

Mit US-Präsident Trump kehrte die Eiszeit zurück. Und für den neuen US-Präsident Joe Biden hat das Verhältnis zur sozialistischen Karibikinsel keine Priorität. Die kubanische Wirtschaft leidet unter dem US-Embargo, den Sanktionen. Durch die Pandemie bleiben die Touristen und damit die dringend benötigten Devisen aus.

Unter dem Druck der Wirtschaftskrise hat Staatschef Díaz Canel die längst fällig gewordene Währungsreform eingeleitet, meint Bert Hoffmann: "Die wichtigsten Reformschritte wie z.B. die Währungsreform mussten jetzt wegen dieser wirtschaftlich katastrophalen Situation durchgesetzt werden, eben weil das nicht unter Raul passiert ist. Insofern hinterlässt  er seinen Nachfolgern eine schwere Bürde, was Wirtschaftsreformen angeht. Und es ist auch noch gar nicht klar wie das ausgeht und ob die umgesetzt werden können und ob das wieder zurückgefahren wird."

Zum Ende des Parteitages soll die neue Führung bekannt gegeben werden. Die Kontinuität ist garantiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2021 um 05:25 Uhr.