Soldaten vor einem bei dem Erdbeben zerstörten Gebäude in der Stadt Petrinja | AP

Kroatien Todesopfer und Verletzte bei Erdbeben

Stand: 29.12.2020 21:28 Uhr

Bei einem erneuten Erdbeben in Kroatien sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. In Zagreb flüchteten Menschen auf die Straße. Das Nachbarland Slowenien schaltete vorsichtshalber ein AKW ab.

Bei einem erneuten Erdbeben in Kroatien sind zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden. Nach Angaben der Behörden stieg die Zahl der Todesopfer bis zum Abend auf mindestens sieben. 26 Menschen wurden verletzt. Viele weitere Menschen gelten als vermisst.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des Bebens mit 6,4 an. Das europäische Seismologische Zentrum EMSC nannte eine Stärke von 6,2. Das Epizentrum des Bebens lag 45 Kilometer südöstlich von Zagreb. In Petrinja berichtete ein Reporter der Tageszeitung "Jutarnji List" von dramatischen Szenen. Sirenen von Feuerwehr- und Ambulanzwagen hallten durch die Stadt, bald zeigte sich ein Bild der Verwüstung. Aus Angst vor weiteren Erdstößen zogen sich Bewohner in den kleinen Stadtpark zurück. Rettungsmannschaften suchten unter Trümmern nach Verschütteten.

Beschädigte Gebäude in der Stadt Petrinja | AP

Besonders groß sind die Schäden in der Stadt Petrinja. Bild: AP

Auch die nahe Kreishauptstadt Sisak war schwer betroffen. Der Sitz der Stadtverwaltung sei zur Hälfte eingestürzt, sagte Bürgermeisterin Kristina Ikic-Banicek dem kroatischen Fernsehen HRT. Die Gemeindebediensteten konnten sich jedoch alle in Sicherheit bringen, fügte sie hinzu. In ihrer Stadt habe es einige Leichtverletzte gegeben, die ärztlich versorgt wurden.

Laut Ministerpräsident Andrej Plenkovic wurden Armeekräfte als Helfer in die Erdbebenregion entsandt. Auch in der Hauptstadt Zagreb war das Beben zu spüren. Dort flüchteten die Menschen auf die Straßen. Es kam zu beträchtlichen Sachschäden.

Menschen haben sich nach dem Erdbeben in der Nähe der Hauptstadt auf die Straße gestellt, Zagreb/Kroatien. | REUTERS

Nach dem Erdbeben flüchteten die Menschen in Zagreb auf die Straßen. Bild: REUTERS

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte umgehend Hilfe zu. "Wir sind bereit zu unterstützen", schrieb sie nach einem Gespräch mit Plenkovic auf Twitter. Sie habe den für humanitäre Hilfe zuständigen EU-Kommissar Janez Lenarcic gebeten, so bald wie möglich ins Erdbebengebiet zu reisen. "Wir stehen an der Seite Kroatiens", betonte von der Leyen.

Zweites Beben innerhalb von 30 Stunden

Das Erdbeben war auch in mehreren Nachbarländern Kroatiens zu spüren. In Slowenien wurde daraufhin das Atomkraftwerk Krsko abgeschaltet. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, wie eine Sprecherin der Anlage sagte.

Auch in Bratislava gingen bei der Polizei Notrufe besorgter Bürger ein. Die slowakische Hauptstadt ist knapp 300 Kilometer von Zagreb entfernt. Beim Geologischen Institut der slowakischen Akademie der Wissenschaften gingen mehr als 50 Erfahrungsberichte aus dem ganzen Land ein. Nach Angaben des Geophysikalischen Instituts in Prag war das Beben selbst in Tschechien noch zu spüren.

Es war das zweite Beben in Folge innerhalb von 30 Stunden in Kroatien. Gestern waren im selben Gebiet Erdstöße der Stärke 5,2 und 5,0 verzeichnet worden.

Erst im März hatte ein Erdbeben der Stärke 5,4 in Zagreb große Schäden angerichtet. Eine Jugendliche war gestorben, mehr als zwei Dutzend Menschen waren verletzt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.