Ein Auto wird nach einem Erdbeben von Trümmern zerquetscht. Zwei Erdbeben innerhalb einer halben Stunde haben am Sonntagmorgen in der kroatischen Hauptstadt Zagreb schwere Schäden angerichtet. Mehrere Menschen wurden verletzt. | dpa

Gebäudeschäden und Verletzte Erdbeben trifft Kroatien

Stand: 22.03.2020 16:19 Uhr

Bei schweren Erdbeben in Zagreb hat es Verletzte gegeben, Gebäude wurden beschädigt - darunter auch die berühmte Kathedrale. Das Beben trifft Kroatien mitten in der Corona-Krise.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Ein in Zagreb schwer verletzt geborgener 15-Jähriger, zahlreiche weitere Verletzte und mutmaßlich Verschüttete, das ist die vorsichtige erste Einschätzung der Erdbeben, die am frühen Morgen Zagreb und die nördliche Umgebung erschüttert haben. Eine Frau filmte aus ihrem Auto heraus und stellte es dann auf Youtube. Sie klingt entsetzt: "Jesus, lieber Gott, das ist das Stadtzentrum. Die armen Menschen."

Andrea Beer ARD-Studio Wien

Das stärkste Beben um 6.24 Uhr lag bei 5,5, ein weiteres bei 5,0, so die Angaben des kroatischen seismologischen Instituts. Zahlreiche Wohngebäude in Zagreb stürzten ein, eine der Spitzen der berühmten Kathedrale fiel rund einhundert Meter in die Tiefe. Autos sind verschüttet und die Alarmanalgen gingen los. Die Straßen liegen voller Schutt.

Die beschädigte Kathedrale in Zagreb. | AP

Eine der Spitzen der berühmten Kathedrale in Zagreb fiel rund einhundert Meter in die Tiefe. Bild: AP

Zwei ernsthafte Krisen

In den betroffenen Gebieten sind Strom und Internet teilweise ausgefallen. Der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovic rief auf einer Pressekonferenz zur Ruhe auf und erinnerte an die geltenden Maßnahmen, die das Ausbreiten des Coronavirus verlangsamen sollen. Die Armee werde zur Unterstützung von Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungskräften losgeschickt, so Plenkovic.

Bewohner alter Gebäude sollten nach draußen gehen. Man habe es nun mit zwei sehr ernsthaften Krisen zu tun, ergänzte Innenminister Davor Bozinovic. Die Erdbeben mache die globale Pandemie viel komplizierter. "Halten Sie Distanz, bitte keine Gruppen bilden. Denn wir haben es hier parallel mit zwei sehr ernsthaften Krisen zu tun. Das Erdbeben und die Epidemie", sagte Bozinovic.

 

Zerstörte Autos stehen vor einem Haus in Zagreb. | dpa

Erdbeben in Kroatien: Zahlreiche Wohngebäude in Zagreb stürzten ein oder wurden beschädigt. Bild: dpa

Öffentliches Leben eingeschränkt  

Auch in Kroatien ist das öffentliche Leben durch die Corona-Krise eingeschränkt. Bisher wurden rund 1600 Tests gemacht und es gibt rund 130 bestätigte Corona-Fälle. Mehr als 13.000 Menschen befinden sich zu Hause in Quarantäne. Der Krisenstab der Regierung soll sich nun auch um die Folgen der Erdbeben kümmern. 

Das Epizentrum der Beben lag rund 60 Kilometer nördlich von Zagreb in zehn Kilometer Tiefe, teilte das Geoforschungszentrum in Potsdam mit. Die Erdbeben waren auch in Slowenien zu spüren. Rund 50 Kilometer nordöstlich von Zagreb liegt das Atomkraftwerk Krsko, das Slowenien und Kroatien gemeinsam betreiben. Nach offiziellen Angaben läuft der Betrieb dort normal weiter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. März 2020 um 17:15 Uhr.