Polizisten in Salisbury an der Bank, wo Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: AFP

Großbritannien Krisensitzung im Fall Skripal

Stand: 12.03.2018 17:01 Uhr

Bei einem Treffen ihres Sicherheitsrates will sich Theresa May über die Ermittlungen im Fall des vergifteten Ex-Agenten Skripal informieren. Bei der Krisensitzung geht es vor allem um die Rolle Russlands.

Die britische Premierministerin Theresa May hat für heute eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats zum Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal einberufen. May und mehrere Minister sollen dabei auf den neuesten Stand der Ermittlungen gebracht werden, nachdem Spuren von Nervengift auch in einem von Skripal besuchten Pub und Restaurant entdeckt worden waren. An der Krisensitzung sollen auch Experten aus der Politik, der Geheimdienste und Streitkräfte teilnehmen.

Julie Kurz, ARD London, zu Mays Äußerung im Fall Skripal
tagesschau 17:00 Uhr, 12.03.2018

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Verdächtiges Paket im Parlament

Kurz vor der Rede der Premierministerin wurde im britischen Parlament ein "verdächtiges Paket" entdeckt. Zwei Menschen seien "vorsorglich" ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte die Polizei mit. Experten seien vor Ort, um den Inhalt des Pakets zu analysieren.

Sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter der Tat steckt, könnte May möglicherweise schon direkt nach dem Treffen Sanktionen verkünden, berichtet die "Times". Denkbar seien die Ausweisung von Diplomaten, die Annullierung von Visa von Russen mit Verbindungen zum Kreml sowie finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London. Die Premierministerin hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer nach Russland zu schicken.

Putin bestreitet Beteiligung

Moskau streitet jede Beteiligung an dem Attentat ab und klagt über antirussische Propaganda. Präsident Putin betonte, die Briten sollten zunächst ermitteln, was genau mit Skripal passiert sei, bevor sie Russland dafür verantwortlich machten. "Man geht den Dingen dort drüben zunächst auf den Grund, und danach können wir das diskutieren", sagte Putin laut russischen Nachrichtenagenturen. Zuvor hatten bereits Putin-Sprecher Dmitri Peskow und Außenminister Sergej Lawrow eine russische Verwicklung bestritten.

Behörden werten Vergiftung als Mordversuch

Der 66-jährige Ex-Spion Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London zusammengesackt und bewusstlos auf einer Sitzbank aufgefunden worden. Sie wurden der Polizei zufolge Opfer eines Attentats mit Nervengift und befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Die britischen Strafverfolgungsbehörden werten die Vergiftung als Mordversuch. Ein Polizist ist ebenfalls schwer erkrankt, aber ansprechbar.

Polizeiarbeit in Salisbury | Bildquelle: AFP
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Kurz nach ihrem Besuch im Pub "The Mill" waren Skripal und seine Tochter zusammengebrochen.

Die Polizei steht vor dem Restaurant Zizzi, das in Zusammenhang mit der mutmaßlichen Vergiftung des Doppelagenten Skripal steht. | Bildquelle: dpa
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Im Pub und auch in der Pizzeria "Zizzi" wurden Spuren eines Nervengiftes gefunden. Hier hatten die beiden Opfer zu Abend gegessen.

Nach dem Nachweis von Nervengiftspuren in einem Pub sowie einem Restaurant im englischen Salisbury riefen die Gesundheitsbehörden Besucher der Lokalitäten auf, ihre Kleidung und persönliche Dinge zu waschen. An den Ermittlungen sind mehr als 250 Beamte beteiligt, darunter 180 Soldaten. Zu ihnen zählen auch Experten für Chemiewaffen.

Der frühere Doppelagent soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2018 um 11:00 Uhr.

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