Fatima wird in einen Raum getragen | Bildquelle: Alexander Stenzel

Krieg im Jemen Lebensmittel als Waffe

Stand: 18.03.2019 09:24 Uhr

Vor allem Kinder leiden während des Kriegs im Jemen unter Hunger. Rund 7,4 Millionen von ihnen brauchen Hilfe. Lebensmittel ungehindert zu verteilen ist den Hilfsorganisationen aber kaum möglich.

Von Alexander Stenzel, ARD-Studio Kairo

Fatima ist zwölf Jahre alt. Und sie wiegt gerade mal zehn Kilogramm. Vor zwei Wochen brachte ihre größere Schwester sie ins Krankenhaus in der Gouvernement-Hauptstadt Hajjah, rund 130 Kilometer nordwestlich von Sanaa.

Die Ärzte sagen, dass Fatima all ihre Fettreserven abgebaut habe, so dass sie praktisch nur noch aus Haut und Knochen bestehe. Damit sie wieder einigermaßen gesund werde, müsse sie mindestens einen Monat medizinisch behandelt werden.

Hungersnot im Jemen
mittagsmagazin, 26.02.2019, Alexander Stenzel, SWR Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Zugang zu großen Getreidebeständen verhindert

Die Situation für die Kinder im Jemen wird immer schlechter. Laut UN brauchen 7,4 Millionen Kinder humanitäre Hilfe. Das sind zwölf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

Vereinbarte Waffenstillstände werden immer wieder gebrochen, so dass die UN große Probleme haben, die Menschen in Not zu erreichen. So verhinderten laut UN Aufständische in der Hafenstadt Hodeida den Zugang zu großen Getreidebeständen. Mit den Nahrungsmitteln könnten 3,7 Millionen Menschen einen Monat lang versorgt werden.

Getreide liegt in einem Gebäude mit einem zerstörten Dach im Hafen von Houdaida | Bildquelle: Alexander Stenzel
galerie

Getreidespeicher in Hodeida. Mit den Nahrungsmitteln aus der Hafenstadt könnten 3,7 Millionen Menschen einen Monat lang versorgt werden.

Kämpfe flammen immer wieder auf

Obwohl im Dezember 2018 ein Waffenstillstand für die Hafenstadt Hodeida vereinbart wurde, flammen die Kämpfe zwischen den Aufständischen Huthis und den loyalen Kräften, die Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi unterstützen, immer wieder auf.

Hodeida ist die wichtigste Lebensader des Jemen. Über keinen anderen Hafen kommen mehr Lebensmittel, Medikamente und Treibstoffe in das Land. Ohne Hodeida können die insgesamt zwölf Millionen Jemeniten, die zurzeit dringend Hilfe benötigen, nicht versorgt werden.

Huthi-Unterstützer | Bildquelle: Alexander Stenzel
galerie

Unterstützer der Huthi-Rebellen. Die Kämpfe mit den loyalen Kräften, die Präsident Hadi unterstützen, flammen immer wieder auf.

Entkräftet und apathisch ums Leben gerungen

Fatimas ältere Schwester erzählt, dass der Vater mit 60 Jahren arbeitslos und krank sei. Er falle somit als Ernährer der Familie aus. Als es mit Fatima immer schlimmer wurde und sie völlig entkräftet und apathisch ums Leben rang, habe sie sich entschlossen, ihre Schwester ins Krankenhaus zu bringen. Fatima ist so schwach, dass sie nicht gehen kann.

Viele stark unterernährte Kinder im Jemen werden erst sehr spät ins Krankenhaus gebracht. Oft muss erst einmal Geld für den Transport aufgebracht werden.

Das Gesundheitswesen funktioniert im Jemen nur noch in geringen Teilen. Krankentransporte von Notfalldiensten gibt es jenseits der Hauptstadt und anderer größerer Städte praktisch gar nicht mehr. Zum einen fehlt oft der Treibstoff, der nur noch in geringen Mengen über Hodeida importiert wird, zum anderen hat die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition zahlreiche Verbindungsstraßen und Brücken durch Luftangriffe schwer beschädigt oder gar zerstört.

Fatima isst Melone | Bildquelle: Alexander Stenzel
galerie

Nach zwei Wochen Behandlung im Krankenhaus ist Fatima etwas zu Kräften gekommen. Sie kann wieder eigenhändig Essen zu sich nehmen.

Beide Seiten manipulieren Verteilung

Abeer Etefa vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen appelliert an beide Konfliktparteien, es den Hilfsorganisationen zu ermöglichen, die dringend benötigten Hilfsgüter im Land ungehindert verteilen zu können. Beide Seiten würden die Verteilung in ihrem Sinne manipulieren. Lebensmittel werden als Waffe eingesetzt. Der Zynismus der Konfliktparteien scheint keine Grenzen zu haben. Ohne Hilfe von außen ist das Land nicht überlebensfähig.

Auch Fatima ist auf Hilfe von außen angewiesen. Nach zwei Wochen Behandlung ist sie etwas zu Kräften gekommen. Nun kann sie wieder eigenhändig Essen zu sich nehmen. Das ist ein kleiner Lichtblick.

UN-Geberkonferenz in Genf: Betteln für den Jemen
Georg Schwarte, ARD New York
26.02.2019 07:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2019 um 06:00 Uhr.

Darstellung: