Kreuzfahrtschiff in Venedig | Bildquelle: REUTERS

Schiffsriesen in Italien Wenn Kreuzfahrten zur Plage werden

Stand: 11.06.2019 20:16 Uhr

In Italien boomen Kreuzfahrtriesen. Sie bringen Millionen Touristen und jede Menge Geld. Doch die Schattenseiten sind teils dramatisch.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Allein in diesem Jahr sollen 25 neue Kreuzfahrtschiffe vom Stapel laufen. Immer mehr und immer größere Schiffe. Das sei der Trend der vergangenen Jahre gewesen, der ganz besonders in Italien zu spüren war, sagt Francesco Di Majo, der Chef des Hafens von Civitavecchia. Zwölf Millionen Kreuzfahrtpassagiere waren 2018 unterwegs, ca. 25 Prozent kommen nach Di Majos Angaben nach Civitavecchia.

Auch für die kommenden Jahre rechnet er mit jährlichen Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent. Schon jetzt liegen manchmal bis zu acht Kreuzfahrtschiffe im Hafen - mit 30.000 Passagieren und 8.000 Besatzungsmitgliedern. Totzdem hat Civitavecchia nicht unter einem massiven Besucheransturm zu leiden. Die meisten Touristen reisten von hier einfach weiter nach Rom, sagt Stadtrat Dario Menditto. Nur ein kleiner Prozentsatz unterstütze die Wirtschaft seiner Stadt.

Touristen in Rom | Bildquelle: LUCIANO DEL CASTILLO/EPA-EFE/REX
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Viele Kreuzfahrt-Touristen tragen ihr Geld dann letztlich aber nach Rom.

Lungentumore und neurologische Erkrankungen

Aus ökologischer Sicht ergebe sich ein anderes Bild. So sieht das auch Anna Gerometta, die mit ihrer Bürgerinitiative für saubere Luft in Italiens Städten kämpft:

"In Civitavecchia hat ein Team von Epidemiologen eine Studie durchgeführt, aus der hervorgeht, dass die Bevölkerung, die nicht weiter als 500 Meter vom Hafen entfernt lebt, zu 31 Prozent häufiger an Lungentumoren leidet. Bei denjenigen, die an neurologischen Krankheiten sterben, liegt der Wert sogar bei 51 Prozent. Ein unglaublicher Anstieg, weil die benutzten Treibstoffe sehr schmutzig sind."

Hafenchef Di Majo gibt derweil in Entwarnung: "Es gibt im Hafen im Moment keine Gefahr. Aber das heißt nicht, dass wir jetzt locker werden. Wir sind als Hafenmeisterei sehr engagiert, um die umweltfreundliche Technologie zu fördern." Umweltfreundliche Kreuzfahrtschiffe würden mit günstigeren Tarifen belohnt.

Schweröl-Schiffe sind noch Jahrzehnte im Einsatz

Immer mehr Reedereien setzen auf Flüssiggas als umweltfreundliche Alternative. Verglichen mit dem heute noch vielfach eingesetzten Schweröl ist das tatsächlich ein großer Fortschritt. Umweltschützerinnen wie Gerometta macht diese Entwicklung aber trotzdem nicht glücklich. Denn die Schiffe haben eine Lebenszeit von 30 oder gar 40 Jahren: "Wenn wir wirklich aus den fossilen Kraftstoffen aussteigen wollen, müssten wir versuchen, auf elektrische Antriebe zu setzen, auf Sonne und Wasserstoff."

Davon sind die meisten Kreuzfahrtschiffe im Mittelmeer aber noch weit entfernt. Immerhin gelten ab dem kommenden Jahr schärfere Grenzwerte. Die sind dann allerdings immer noch deutlich höher als in weiten Teilen Nordeuropas.

Wenn Kreuzfahrten zur Plage werden
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
11.06.2019 19:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das BR Fernsehen am 28. Mai 2019 um 22:00 Uhr.

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