Ein Krankenwagen vor einem Krankenhaus in Kirkland | Bildquelle: REUTERS

Corona-Krise US-Krankenhäuser im Existenzkampf

Stand: 07.04.2020 07:23 Uhr

Schon jetzt kämpfen viele Krankenhäuser in den USA ums Überleben - vor allem auf dem Land. In der Corona-Krise werden sie dringend gebraucht. Doch die Pandemie wird auch zur finanziellen Belastung für die Kliniken.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Es war als gute Nachricht gedacht, was US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag sehr stolz verkündete: "Die Kosten für die Behandlung von Covid-Patienten ohne Krankenversicherung werden von der Regierung übernommen", sagte er. Und das Geld dafür werde er aus dem Rettungspaket für die Krankenhäuser abzweigen. Gut für die erkrankten Menschen, schlecht für die Krankenhäuser. Denn die brauchen die versprochenen 100 Milliarden Dollar dringend selbst. Mitten in der Corona-Krise kämpfen viele Krankenhäuser um ihr eigenes Überleben.

Das Ziel: Kosten drücken

"Jeder muss Opfer bringen. Und wenn Menschen zu Hause bleiben, ist das ein Opfer", sagt Dr. John Pryor im Lokalfernsehen von Duluth, Minnesota. Pryor ist Chef von Essentia Health East, einem Krankenhaus-Konzern. Und die Opfer, von denen er spricht, sind 500 Jobs. Den Mitarbeitern wird nicht gekündigt, sie werden in eine Art Kurzarbeit entlassen.

Andere Kliniken kürzen Gehälter oder Sozialleistungen oder schicken Kollegen in Urlaub. Immer mit dem einen Ziel: die Kosten zu drücken. Denn überall in den USA würden den Krankenhäusern gerade die Einnahmen wegbrechen, erklärt Ann Maxwell, stellvertretende Generalinspekteurin für das Gesundheitsministerium:

"Um sich ordentlich auf die Infektionskrankheit vorzubereiten, haben die Krankenhäuser nicht dringliche Eingriffe abgesagt. Deshalb verlieren sie nun Einnahmen", so Maxwell im Sender CBS. Mit selektiven Eingriffen, also Operationen oder Diagnostik, die nicht zwingend notwendig sind und deshalb auch verschoben werden können, verdienen die Krankenhäuser normalerweise einen Großteil ihres Geldes. Auf Anraten der Gesundheitsbehörde haben sie diese Art von Behandlung nun zurückgestellt.

"Wenn sie diese verschiebbaren Eingriffe zurückfahren, verlieren sie 50 Prozent ihres Cash Flows", sagt Thompson im Lokalfernsehen. Davon, die Kollegen vorübergehend zu entlassen, hält sie gar nichts: "Wenn die Welle kommt, und sie ist hier in Elmore noch nicht angekommen, werden wir die Hilfe dieser Leute brauchen".

Zu wenig Geld für Covid-Patienten?

Natürlich bringt die Behandlung von Covid-19-Patienten auch Einnahmen, aber zu wenige, sagen Experten. Die Sätze pro Patient müssten deutlich erhöht werden, damit die Klinken überleben können.

Vor allem Krankenhäuser im ländlichen Raum mit einer ärmeren Bevölkerung sind gefährdet. Nach zwei, drei Monaten könnten sie pleitegehen. Und so bleibt im Moment nur die Hoffnung, dass von den angekündigten Milliarden aus Washington so viel wie möglich so schnell wie möglich überwiesen wird.

US-Krankenhäuser entlassen Mitarbeiter
Karin Brand, ARD Washington
07.04.2020 06:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. April 2020 um 11:38 Uhr.

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Katrin Brand, WDR

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