Demonstranten in Pristina | Bildquelle: AFP

Tausende demonstrieren Protest im Kosovo gegen Gebietstausch

Stand: 30.09.2018 05:16 Uhr

Im Kosovo rumort es. Seit Präsident Thaci mit Serbien über einen möglichen Gebietstausch spricht, steht er unter Druck. Tausende protestierten nun in Pristina gegen ihn und seine Pläne.

In der kosovarischen Hauptstadt Pristina haben am Samstag tausende Menschen gegen Präsident Hashim Thaci und seine Pläne für einen Gebietstausch mit Serbien demonstriert. Sie riefen "Nieder mit Thaci" und verlangten den Rückzug des Staatsoberhauptes von den ergebnislosen Verhandlungen mit Serbien.

Vetevendosje-Chef Albin Kurti | Bildquelle: dpa
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Vetevendosje-Chef Albin Kurti forderte ein Ende der Gebietstausch-Verhandlungen.

Zu der Demonstration hatte die linksnationalistische Oppositionspartei Vetevendosje aufgerufen. Die Pläne für einen Gebietstausch seien Thacis "eigenes Abenteuer", sagte Vetevendosje-Chef Albin Kurti vor den Demonstranten. "Er hat kein Mandat, das zu verhandeln."

Kosovo seit 2008 unabhängig

Das Kosovo, in dem mehrheitlich ethnische Albaner leben, hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Es wird mittlerweile von mehr als 110 Ländern völkerrechtlich anerkannt - nicht aber von der Regierung in Belgrad.

Allerdings muss Serbien alle Gebietsstreitigkeiten beilegen, bevor es wie angestrebt selbst der EU beitreten kann. Serbien ist bereits offiziell EU-Beitrittskandidat, das Kosovo führt die EU als "potenziellen Kandidaten".

Überlegungen für Gebietstausch seit August öffentlich

Angesichts dieser Situation hatten sich Thaci und der serbische Präsident Aleksander Vucic im August offen für einen Gebietstausch gezeigt. Medienberichten zufolge könnten vorwiegend von Serben bewohnte Gebiete um die geteilte Stadt Mitrovica an Serbien gehen und das überwiegend von ethnischen Albanern bewohnte serbische Presevo-Tal an das Kosovo.

Thaci selbst erschien gestern überraschend an der umstrittenen Talsperre Gazivoda in Nordkosovo, wo eine lokale serbische Mehrheit wohnt. Sein Besuch wurde von Spezialpolizei gesichert. Als Reaktion setzte der Nachbar Serbien seine Armee und Polizei in höchste Alarmbereitschaft. Thaci zog nach einer Viertelstunde wieder ab und kehrte in Gebiete zurück, in denen ausschließlich Albaner wohnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 30. September 2018 um 04:00 Uhr.

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