Der Zug, der ins Kosovo fahren sollte, vor seiner Abfahrt aus Belgrad | Bildquelle: dpa

Serbisch-kosovarische Grenze Ein Propagandazug sorgt für neuen Streit

Stand: 15.01.2017 02:31 Uhr

Ein Personenzug, den Serbien erstmals seit fast 20 Jahren auf die Reise von Belgrad ins Kosovo geschickt hat, sorgt für einen neuen Konflikt zwischen den beiden zerstrittenen Ländern. Der Grund: Der Zug in den serbischen Nationalfarben war mit dem Schriftzug "Kosovo ist Serbien" versehen.

Ein Zug hat für einen heftigen Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo gesorgt. Nach 18-jähriger Unterbrechung wollte Serbien den Zugverkehr in das Kosovo wiederaufnehmen - mit einem Propagandazug in den serbischen Nationalfarben. Nach heftigen Reaktionen des Nachbarn stoppte der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic jedoch kurz vor der Grenze die Weiterfahrt. Er habe gewaltsame Auseinandersetzungen verhindern wollen, sagte Vucic in Belgrad. "Wir haben einen Zug geschickt, keinen Panzer", sagte er nach dem Vorfall.

Dauerstreit um Unabhängigkeit

Er warf Pristina vor, Polizeikräfte an die Grenze entsandt zu haben, um einen "weitreichenden Konflikt zu provozieren". Der Zug mit der Aufschrift "Kosovo ist Serbien" in mehreren Sprachen war vom Hauptbahnhof in Belgrad gestartet. Er sollte nach Kosovska Mitrovica im vorwiegend von Serben bewohnten Norden des Kosovo fahren. Im Inneren des Zuges waren Repliken von Ikonen aus serbisch-orthodoxen Klöstern im Kosovo abgebildet.

Kosovo sieht Souveränität bedroht

Kosovo-Präsident Hashim Taci hatte die serbische Führung aufgefordert, den Zug zu stoppen. Dieser bedrohe die Souveränität des Kosovo.

Die zu mehr als 90 Prozent von ethnischen Albanern bewohnte ehemalige serbische Provinz war nach dem Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999, bei dem 13.000 Menschen starben, unter internationale Verwaltung gestellt worden. Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo hatte sich im Jahr 2008 einseitig für unabhängig von Serbien erklärt. Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit jedoch nach wie vor nicht an. Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch das Kosovo strebt die Aufnahme in die EU an.

Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land wird von mehr als hundert Staaten anerkannt, darunter die meisten EU-Länder und die USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2017 um 22:00 Uhr

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